Auf Tour in Österreich

 

Die ersten Septemberwochen führten uns nach Österreich.

Auf Einladung von Freunden verbrachten wir eine Woche in Kalwang/Steiermark mit Ausflügen nach Bruck an der Mur (dreieckige Hl. Geist Kapelle; in dieser Form ein Unikat auf der Welt und nahezu fertig restauriert), Graz und in die Südsteiermark.

Der vinologische Höhepunkt war eine Fahrt über die beeindruckende südsteirische Weinstraße, die zum Teil die Grenze zu Slowenien bildet, und mit großer Vorfreude ein Besuch im Weingut Johann Schneeberger, über das wir an dieser Stelle schon häufiger berichtet haben.

 

Neben den in der Preis-/Qualitäts-Relation herausragenden Weinen bietet das Gut einen ausgezeichneten Buschenschank mit ambitionierter Küche. Hier werden Produkte aus eigenem Anbau und Herstellung verwendet in Bio-Qualität, was für die Steiermark nahezu selbstverständlich ist.

 

Von der an diesem Tag sonnenbeschienen großen Terrasseen wir einen zauberhaften Blick auf Kitzeck, den höchst gelegen Weinort Österreichs.

 

 

Die zweite Septemberwoche nutzten wir zu einem Aufenthalt in der Wachau. Die berühmten Weinorte von Spitz, über Weißenkirchen, Dürnstein bis Joching kennt jeder Weinfreund. Kaum bekannt ist, dass die Wachau auf der anderen Donauseite noch bis Mautern reicht, das gegenüber Krems liegt. Hier hatten wir uns in Mauternbach, dem zu Mautern gehörenden Weinort unterhalb von Stift Göttweig einquartiert.

 

Auf dem Winzerhof Buchinger (www.weinbau-buchinger.at) fanden wir zwei schöne, große Zimmer vor (für 2019 entsteht hier eine Ferienwohnung!). Auf dem Dreigenerationen-Anwesen herrscht eine freundliche, familiäre Atmosphäre.

Winemaker ist Jakob Buchinger, unübersehbar mit seiner markanten weißen Brille. Das Weingut umfasst 9ha Reben und über 200 Marillenbäume und ist auf dem Weg zur Bio-Zertifizierung. Buchinger gehört zur Gruppe der ‚Jungen Wilden‘.

 

Bedingt durch den Lesestress (auch hier – wie in Deutschland – ein bemerkenswert früher Lesebeginn!) hatten wir nicht viel Gelegenheit, mit dem Winzer zu sprechen und zu verkosten. Das haben dann nach unserer Rückkehr bei uns im Garten nachgeholt (siehe unten!)

 

In Mauternbach gibt es neben Buchinger noch mehrere Winzer und auch Heurige, von denen zwei ausgesteckt hatten: Winzerhof Widmayer und Winzerhof Graf. Bei beiden Heurigen waren die Touristen in der absoluten Minderheit. Widmayer bietet einen schönen Garten mit Spielmöglichkeiten für Kinder und Graf einen tollen Blick über Mautern bis nach Krems.

 

 

In beiden Häusern waren die offenen Weine sehr gepflegt und das Essen qualitativ hochwertig. Bemerkenswert waren die günstigen Preise: Für vier Personen lag die Zeche an keinem Abend über 30 € für alle zusammen. Diese eher unbekannte Seite der Wachau hat ein deutlich anderes Preisgefüge als das gegenüber liegende Ufer (Grüner Veltliner Federspiel: ¼ Liter = 2,80€) bei ähnlich guter Qualität!

 

 

Verkostungsnotizen von Ende September Weingut Jakob Buchinger

 

2017 Grüner Veltliner Federspiel

 Ein mittelkräftiger, eben typischer Federspiel mit 12,5% Alkohol; würzig mit Fülle und Länge; etwas Rauch und Heu in der Nase; typisches Pfefferl; ein guter Begleiter zu Heurigenklassikern wie Schmalzbrot oder Schinken.

 

 

2016 Grüner Veltliner Federspiel

 Was ist denn mit diesem Wein passiert? Er wirkte deutlich gezehrt mit einem Ton nach leerem Fass, obwohl er aus dem Stahltank kommt?; diese Flasche machte keine rechte Freude.

 

 

2016 Neuburger

 Buchinger pflegt diese uralte autochthone österreichische Sorte, die fast ausschließlich in der Wachau angebaut wird. Sein 2016 Neuburger zeigt einen deutlichen Burgundertyp, ist gehaltvoll, körperreich und elegant bei nur 11,5% Alkohol; hat ein mildes Säurefinal und ist ein toller Essenbegleiter zu hellem Fleisch. Chapeau für diese alte Sorte und den Ausbau durch Buchinger!!.

 

 

2013 Neuburger

 Dieser Jahrgang, der nicht mehr auf der Karte zu finden ist, wurde uns von Frau Buchinger senior. kredenzt und zur Verkostung verkauft. Auch das ist ein großartiger Wein: in der Nase noch jugendlich; Weißburgunder-Ton und –Typ; blitzsauber und reintönig mit nussigem Aroma; gereifte Eleganz. Er zeigt die Lagerfähigkeit der Sorte. Ich denke, dass wir auf der nächsten ProWein 2019 dieser Sorte unsere Aufmerksamkeit widmen sollten!