Weine aus dem Osten

BCC  Probe April 2018

 

Für die BCC Probe im April hatten wir uns ein mehr als herausforderndes Thema gewählt: Die mitgebrachten Weine nach unseren Kriterien (Kaufpreis max. 10.- €) sollten aus einer beliebigen Region östlich von Deutschland und Österreich stammen. Unter anderem war die Idee, Weinen aus Georgien noch einmal eine Chance zu geben, die uns bei der ProWein 2017 in Düsseldorf über die Maßen enttäuscht hatten.

Das gewählte Thema erwies sich dann als überaus ambitioniert, da allein die Beschaffung eines vorzustellenden Weines alle Mitglieder vor logistische Probleme stellte. So war z.B. in Köln kein Weinfachgeschäft in der Lage, einen derartigen Wein zu präsentieren. So kamen dann letztendlich sehr unterschiedliche Herkunftsgebiete zustande.

 

Beim ersten Wein hatte ein Weinfreund das Thema ‚Osten‘ sehr weit ausgelegt und präsentierte uns einen Wein aus Griechenland:

 

2014 Xerolithia   12,5 %     8,- €

Dieser Weißwein stammt aus der Stadt Peza auf der Insel Kreta und ist aus der Rebsorte Vilana gekeltert. Die Weinberge von Peza, die sich in Berglehnen befinden, werden heute noch durch die traditionellen “Xerolithies” (=trockene Steinwände) getrennt. Daher auch der Name. Die”Xerolithies“ wurden mit ”Lithous“ (=Steine) gebaut, die “xero” (=trocken, ohne Wasser) aufeinander gesetzt wurden, um die kargen Hängen vor Erosion zu schützen.

Charakter: Durch Sponranvergärung wirkt er leicht oxidativ, dennoch frisch und mit guter Säure. Die Farbe ist leuchtend und stroh-gelb. In der Nase dominieren intensive Aromen von Zitrusfrüchten (Zitrus und Limette) die im Hintergrund von exotischen Früchten (Ananas, Mango) und Marzipan abgerundet werden.

 

 

 

 

Beim zweiten Wein kam die lebhafte Erinnerung an zahlreiche Besuche in jugoslawischen Restaurants der 70er Jahre:

 

2014 Plavac Hvar   12%   6,- € (LEH)

 

Dieser typische Grillwein stammt von der Insel Hvar vor der Küste Kroatiens aus der Weinkellerei Svirce, abgefüllt von Badel 1862. Gekeltert aus der einheimischen Plavac mali Traube hat er eine kräftige, rubinrote Farbe.

 

Im Geschmack zeigt der angestellte Vranac rote Beeren, getrocknete Pflaumen und ein wenig Gewürze. Bei angenehmer Säure ist er leider etwas unterlegt von einem Bitterton, der an den Zähnen ein pelziges Gefühl entstehen läßt. Hier dürften etwas zu viel Rappen mit vergoren worden sein.

 

 

 

 

Der dritte Wein, den Walter mühsam über den Versandhandel erworben hatte, führte dann zur Urprungsidee der Verkostung:

 

2013 Kvareli  13,5 %   8.- € (Versandhandel)

 

Im Ergebnis der Blinddegustationen zum AWC Wien 2015 wurde der Kvareli 2013 ausgezeichnet mit dem SILBER.

Der Kvareli stammt aus der gleichnamigen Lage und dem Ort mit gleichem Namen im Osten von Georgien, nordöstlich der Hauptstadt Tiflis. Die Rebsorte heißt Saperavi und der Wein wurde 24 Monate im Barrique (und nicht in der Amphore!!) ausgebaut.

Im Geschmack zeigt sich der Wein mit viel Würze, rote Beeren, Rosinen und Schokolade. Das Holz ist gut eingebunden und liefert eine zarte Vanille. Er hat sehr gute Länge, Druck und Wucht; passt wunderbar zu kräftigem Käse.

 

 

 

Der vierte Wein stammte aus Montenegro:

 

2012 Vranac ‚Pro Corde‘     14%     8.50 € (LEH)

 

Dieser Wein stammt aus der Region Skadar See und kommt von der renommierten Kellerei Plantace, die 2012 bei AWC Wien als bester Weinproduzent in Montenegro ausgezeichnet wurde.

Die Rotweinsorte Vranac, aus der hergestellt wurde, ist eine der sehr alteingesessenen Sorten des Balkans und steht für hochwertige Rotweine. Der Name bedeutet so viel wie ’die strenge Schwere‘, ein Verweis auf den ausgeprägten Tanningehalt der Sorte. Angebaut seit dem Mittelalter mit enger Verwandtschaft zum Zinfandel findet man ihn heute fast auf dem gesamten Balkan.

Dieses Exemplar ist von kräftige Farbe und wuchtiger Nase. Zu 30% im Holz und zu 70% im Stahl ausgebaut ist er angenehm strukturiert, zeigt im Geschmack dunkle Früchte und Schokoladentöne; er ist rund mit weichen Tanninen. Er passt gut zu rotem Fleisch, Wild und reifem Käse.

 

 

Der letzte Wein in der Runde kam aus Ungarn:

 

2012 Villányi Kekfrankos   11,5%     10,00 €

 

Seit den 90er Jahren hat sich der Berliner Anwalt Horst Hummel in die Weine Ungarns verliebt, die er für deutlich unterbewertet erachtet. Im Laufe dieser Jahre entstand dann sein eigenes Weingut in Villányi mit zunächst 7 Hektar. Hier baut er spannende Rotweine aus verschiedenen Sorten an, durchaus auf europäischem Niveau.

Der hier verkostete Wein, durch die Beifügung ‚Nagytótfalu‘ als Ortswein gekennzeichnet, entstand aus der Rebsorte ‚Kékfrankos‘; das ist der ungarische Name für ‚Blaufränkisch‘ oder ‚Lemberger‘. Trotz der niedrigen Alkoholgradation hat der Wein nur 1g/RZ. Er verfügt über eine reife Frucht, ist frisch mit feiner Säure. Im Geschmack steht die kräftige Kirsch- und Sauerkirscharomatik im Vordergrund; im Hintergrund schmeckt man leichte Kamille. Offensichtlich braucht der Wein eine gewisse Reifezeit, scheint jetzt mir seiner schönen Mineralik auf dem Höhepunkt. Das gut eingebundene Tannin lässt auf gute Alterung schließen.