Pro Wein 2018

 

Und wieder hatten wir das Vergnügen, die diesjährige Pro Wein besuchen zu können. Bei der riesigen Fülle des Angebotes in 10 Messehallen kann man nur ausgewählte Proben absolvieren.

 

So gibt es Programmpunkte, für die wir uns vorher entschieden haben, aber auch spontane und eher durch Zufall entstandene Begegnungen. Von Beidem wird hier zu berichten sein.

Wie in jedem Jahr führte uns der erste Weg zu unseren Stammwinzern aus Österreich in Halle 17. Traditionell der Beginn beim Weingut Schneeberger (Steiermark; www. www.weingut-schneeberger.at):

Schon bei den ersten Verkostungen zeigte sich, wie gelungen der Jahrgang 2017 in Österreich ist. Verschont von Spätfrösten, bei einem sehr warmen und stabilen Sommer gab es lediglich Probleme in der Erntephase durch Regen; bei Schneebergers musste mit ‚Mann und Maus‘ – und völlig untypisch in einigen Lagen mit der Erntemaschine – gelesen werden, um gesundes Lesegut in den Keller zu bekommen. So kamen jetzt frische, sortentypische und animierende Weine in die Flasche. Beginnend mit einem trockenen Muskateller (opulenter Duft nach Rosen und Blüten), der auch als Stillwein für den Muskatellersekt dient (Holunder in der Nase, Zitrusnoten, wunderbar cremid mit schöner Fruchtsüße). Diesen Sekt muss man immer schnell ordern, da er schnell ausverkauft ist.

Der Sauvignon Klassik ist der typische Vertreter dieser steirischen Machart, den ich vielen französischen Sauvignons vorziehe: Im Vordergrund die gelben Fruchtnoten und dann weiter hinten die eher grünen Noten mit Stachelbeere und Wiese; ein frischer Wein zur Jause, die Säure mit 5g Restzucker gut abgepuffert.

Sehr viel trockener mit größerem Spiel und Länge der Sauvignon Sausal. Gerade erst in der Flasche wird er auf Weihnachten zu große Freude bereiten.

Der Parade-Sauvignon vom Ried Kittenberg wird erst im August abgefüllt. Bei einem geplanten Besuch im Weingut um diese Zeit herum werden wir ihn verkosten und sicher auch erstehen.

 

Zweite Station war das Weingut Hirtl (www.weingut-hirtl.at) aus Poysdorf im Weinviertel. Die DAC Veltliner verfolgen wir schon mehrere Jahre. Der Jahrgangseindruck blieb auch hier.

 

 

Mit dem Grünen Veltliner Classic mit schöner Struktur und Trinkfluss und dem typischen Pfefferl kann man nicht verkehrt machen (zumal was die Preis- Qualiätsrelation angeht). Er ist eher jugendlich zu trinken.

Sehr viel ausdrucksstärker und lagerfähiger der Grüne Veltliner aus der Riede Kirchberg. Das ist eher die trockene und kräftige Variante mit der Fähigkeit, Essensbegleiter zu sein für eine Vielzahl von Gerichten; besonders empfehlenswert jetzt sicher in der kommenden Spargelzeit.

Die beiden Mitkoster lobten darüber hinaus den Weissburgunder und den Zweigelt. Diese beiden Weine soll man im Auge behalten.

 

Etwas für vinologische Freaks jenseits des Mainstreams ist das Weingut Stadlmann (www.weingut-stadlmann.com) aus Traiskirchen (Thermenregion). In diesem Weinbaugebiet südlich von Wien rund um Gumpoldskirchen wachsen exklusiv zwei autochthone weiße Rebsorten: Zierfandler und Rotgipfler.

Das Weingut Stadlmann, das wir schon seit vielen Jahren kennen, aber zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren hatten, vinifiziert aus diesen beiden Sorten ausdrucksstarke, in der Differenziertheit der Frucht und der Länge an Riesling erinnernde, dennoch eigenständige Weine. Schon die beiden Einstiegsweine ‚Anninger‘ zeigen eine große Form, übertroffen jedoch von den verschiedenen Lagenweinen. Diese zeigen die ganze Klasse und vor allem die Lagerfähigkeit der Weine.

Derzeit befinden sich die beiden Einstiegsweine aus dem Jahrgang 2016, wie ich mich unlängst in meinem Keller überzeugen konnte, in hervorragendem Zustand.

 

Großer Themenwechsel: Wir hatten uns einen Besuch auf dem Gemeinschaftsstand von Rasteau vorgenommen. Rasteau ist eine AOC Appellation der Côtes-du-Rhône und liegt zwischen Orange und Carpentras. Dort werden ausschließlich Rotweine aus den Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvedre und Vins Doux Naturels aus der Rebsorte Grenache angebaut.

   

Nette junge Damen, der englischen Sprache gut mächtig, kredenzten einige Weine zu kleinen französischen Happen; so einen 2015 kräftigen Rotwein vom Weingut Chateau la Gardine zu einem Graubrot mit einer Steinpilzterrine. Die größte Entdeckung für uns war aber das Zusammenspiel von Käse und Vins Doux Naturels: Eine Wein von der Domaine des Coteaux des Travers zu einem kräftigen Comté und ein Wein von der Domaine Grand Nicolet aus dem Jahrgang 2015 zu einem Blauschimmelkäse. Großartig!!

Wir hatten dann sofort Ideen, in welcher Kombination man diese wunderbaren Süssweine auch zum Apéro und zu Vorspeisen (z.B. Leberterrinen oder Honigmelone) servieren könnte.

 

So wunderbar kulinarisch eingestimmt stand einer der Pro Wein Höhepunkte auf dem Programm. Seit mehr als drei Jahren präsentiert ein geniales Duo, nämlich die Sommelière und Buchautorin Christina Fischer und der Essener Sternekoch Parick Jabs (www.leckerwerden.de) das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Speisen und verschiedenen Weinen aus Portugal.

     

Die kundige, aber unprätentiöse Art der Beiden macht diese Veranstaltung immer wieder zu einem Erlebnis. Es ist großartig, was dort unter den Bedingungen einer Messe geleistet wird. Die Besucher bekommen einen Teller mit 10 verschiedenen kleinen Köstlichkeiten und es stellt höchste Anforderungen an die manuelle Geschicklichkeit, Teller und Glas unfallfrei zu balancieren. Das Ergebnis lohnt aber immer die Mühe.

Jeder ‚Gang‘ ein sorgfältig überlegtes, präzise gewürztes Erlebnis zum passenden Wein! Der Platz reicht nicht, um die ganze Folge zu beschreiben (auf Anfrage liefere ich sie gerne im Einzelnen nach!). Es begann mit einer groben Leberwust mit grünem Pfeffer zu einem Madeira; dann ein gegrillter Schweinebauch zu einem ‚Espumante‘ aus dem Bairrada; ein Oktopus (und Fleur de Sel mit Zitrone – unglaublich, wie das Salz mit der Zitrone den Weingeschmack verändert!) zu einem Moscatel von der Peninsula de Setubal; dann Kalbsbäckchen und später Stockfischbällchen usw; endend mit von Patrick Jabs selbst hergestelltem Schoko-Nougat-Crunch (ob das so richtig ist?). Ein Genuss, von dem man lange zehrt! Ein Besuch bei Patrick Jabs in Essen ist schon in der Planung.

 

Nach mehreren kurzen Begegnungen mit uns gut bekannten Winzerinnen und Winzern wie Mike Näkel vom Weingut Meyer-Näkel und ihrem Mann Markus Klumpp vom gleichnamigen Weingut in Bruchsal sollte eigentlich eine Verkostung verschiedener Zweigelt-Weine am Stand des österreichischen Weinmarketings sein. Aber wie so oft auf der Pro-Wein kam es anders: Beim Schlendern fiel uns am Stand des Bioweinhändlers Riegel Bioweine ein Bild einer großen Amphore ins Auge. Das machte neugierig, zumal wir uns im vergangenen Jahr mit georgischen Weinen beschäftigt hatten und dabei mehr als mittelmäßige Weine verkosteten.

Hier trafen wir Frau Casadei, eine überaus freundliche österreichisch-italienische Winzerin aus Italien. Mit ihrer Familie bewirtschaften sie drei Weingüter: Tenuta Casadei in der Maremma, Castello del Trebbio im Chiani Rufina und Olianas in Gergei auf Sardinien. Nachdem Herr Casadei vor einigen Jahren bei einem Aufenthalt in Georgien mit dem Thema Ausbau in der Amphore in Kontakt kam, hatte er die Idee, dies auch in Italien zu versuchen. Er ließ in der Toskana Amphoren brennen und seitdem werden auf allen drei Gütern, Weine in der Amphore ausgebaut; in der Regel parallel der gleiche Wein auch im Stahltank oder im großen Holzfass. Das Amphorenprojekt wird heute von Tochter Elena Casadei betreut.

So hatten wir die wunderbare Gelegenheit, den sardinischen Cannonau in beiden Versionen zu probieren. Der klassische Ausbau zeigt sich wuchtig, rund, mit gut eingebundenen Tanninen, der Amphorenwein kommt komplex und mineralisch daher mit großer Eleganz. Das gilt auch für den Sangiovese aus der Amphore: Hier herrschen rote Früchte, süße Gewürze, runde Tannine und ein balsamisches Finale vor.

Casadei zeigt, was der Ausbau in der Amphore bringen kann. Georgien muss da noch viel lernen.

 

Mir liegt noch sehr am Herzen, über ein Projekt zu berichten, das wir schon etwas länger verfolgen. Aufmerksam wurden wir durch die Platzierungen des Weinguts Markus Meier aus Ulsenheim bei der Riesling Jahresverkostung der Zeitschrift ‚Weinwelt‘. Mit seinem ‚Riesling einfach Keuper‘ holte er für den Jahrgang 2016 den 1. Platz und für den Jahrgang 2016 den 3. Platz. Bei einem Besuch in seiner sehenswerten Vinothek fiel mir ein Prospekt der Winzervereinigung Ethos (www.ethos-franken.de) ins Auge. Besuche bei dieser Vereinigung auf der Prowein 2017 und auch in diesem Jahr brachte uns das Projekt näher und wir lernten tolle, junge, engagierte Winzerinnen und Winzer kennen. Sie haben sich ein Leitbild mit gemeinsamen Zielen gegeben: „Sie wollen die fränkische Weinkulturlandschaft insbesondere die Steillagen erhalten, umwelt- und ressourcenschonenden Weinbau betreiben, Biodiversität fördern, gesellschaftliche und soziale Verpflichtungen übernehmen, saubere, ehrliche und faire Weine mit Qualität erzeugen.“

Dieses Bekenntnis zur Nachhaltigkeit zeigt sich schon im Standaufbau: Die Weine der anwesenden Winzer werden in einer Schubkarre mit Eis gekühlt. 2015 haben alle Weingüter aus ihren besten Silvaner eine gemeinsame Cuvée erzeugt: Ethos. Edition 1. In diesem Jahr haben sie sich auf Kriterien verständig, nach denen jeder Betrieb einen Silvaner ausbaut.

Wir trafen in diesem Jahr Thomas Schenk vom gleichnamigen Weingut in Randersacker. Neben seiner freundlichen unkomplizierten Art präsentierte er einen Silvaner, fränkisch trocken, as its best! Auch sein Riesling brauchte sich hinter dem von Markus Meier nicht zu verstecken. Ein Besuch bei allen beteiligten Betrieben ist mehr als lohnenswert. Wir werden sicher bei der Jubiläumsfahrt unseres BCC im Oktober nach Würzburg die Kontakte zu Thomas Schenk und zum Sprecher der Gruppe, Markus Schmachtenberger, beide in Randersacker, vertiefen.

 

Wolfgang Acht

 

(Fotodarstellungen z.T. aus der Quelle der Weingüter)