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…und wieder Weine aus Franken

Ein Besuch in Randersacker / Main

Weingut „Trockene Schmitts“

Am 24. April haben wir mit unseren Frauen Gabi und Ursula in Randersacker die Weine der Frühjahrsliste 2018 verkostet.

Die Liste 2018 folgt in ihrem Aufbau der 2017er Liste: Sie beginnt mit der Serie ‚Ewig Leben‘, der sich die ‚Klassiker-‚ und ‚Konsequent.‘ Reihe anschließt. Nach Rosé & Rotweinen und dem Sekt folgen dann zum Ende die Literfaschen.

Der gesamte Jahrgang 2017 zeichnet sich durch klare, frische und fruchtige Weine aus und steht neben dem 2016er Jahrgang in keiner Weise zurück.

Bei der diesjährigen Silvaner-Challenge des Weinmagazins ENOS wurden die beiden Sonnenstuhl-Silvaner des Jahrgangs 2016 aus der Konsequent-Linie jeweils mit 5 von 5 Sternen ausgezeichnet. Sie gehören damit zu den 10 höchstbewerteten Silvaner Deutschlands, also Spitzenweine von internationalem Format. Und das bei einem sagenhaften Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Literweine / Ewig Leben Reihe / Klassiker / Große Weine

 Die Literweine sind wie immer frisch und süffig und überzeugen nicht nur durch geringen Alkoholgehalt (11 %) – Ausnahme Kerner 12,5 %. Sie sind ideale Sommerweine, stimmig und erfrischend, dass sie überall zur Freude gereichen.

 

Müller- Thurgau

Der Liter Müller-Thurgau Ewig Leben 2017 (Nr. 6) – wie schon in den vorigen Jahren beschrieben – saftig, unkompliziert, leicht und schön und mit einer für einen Literwein guten Länge im Abgang. Er hat eine tolle mineralische Note, ist gradlinig und von köstlichem Duft. Kurzum ein feiner Wein.

 

Der Müller Thurgau Ewig Leben Kabinett 2017 (Nr. 10) ein floraler Wein mit Länge und Schlankheit, der sich mit feiner Säure und feinem Duft auszeichnet. Hier lässt der Berg mit seinen über 40 Jahre alten Rebstöcken grüßen. (Dieser M.-Th. wurde seit 2014 vom Gault-Millau durchgängig als der beste trockene M.-Th. ausgezeichnet). Dies spricht u.a. für eine neue Wertschätzung des M.-Th.s

 

Der Rivaner Ewig Leben Kab. 2017 (Nr. 1) ist schön mit einer schlanken Note, floraler Nase und schöner Säure; der leichte Hefeton spiegelt den Lehmboden seines Standortes wider.

 

 

Bacchus

Auch die Freunde eines sortentypischen, fruchtig duftenden (Rosenduft) Literweins Bacchus Ewig Leben 2017 (Nr. 7) werden nicht enttäuscht sein. In dieser Klasse zeigt er Nachhall und Länge.

Der Bacchus Kab. Ewig Leben (Nr. 2) ist noch aromastärker als der Literwein. Er hat ein kräftiges Bouquet ohne aufdringlich zu sein. Er ist schlank, hat aber dennoch Fülle und einen dichten Ausdruck.

 

Silvaner

Anlässlich seiner ersten Silvaner-Challenge schrieb das Weinmagazin ENOS: „Der Silvaner ist ein echtes Aschenputtel in der deutschen Weinlandschaft. Vielfach unterschätzt, ist die Sorte durchaus in der Lage, sowohl als trockener Qualitätswein wie auch als edelsüße Trockenbeerenauslese zu punkten, ja sogar echte Traumweine hervorzubringen. Dabei braucht er immer Reife, um sein Potential voll zum Ausdruck zu bringen…Wenn dann die gesamte Würze, gepaart mit Finesse und Frische, zum Tragen kommt, dann gehört der Silvaner zu den interessantesten Sorten Deutschlands. Auch wenn das kaum jemand weiß.“

Freunde der Weine der Trockenen Schmitts wissen es schon lange. 6 Silvaner verzeichnet die Frühjahrsliste – Silvaner von unterschiedlichen Randersackerer Weinbergen.

 

Der Liter Silvaner 2017 Ewig Leben (Nr. 9) ist ein schöner sortentypischer Silvaner, der seine feine Aromatik noch lange behalten wird (keine Primärfrucht!); seine Entwicklung weist in Richtung eines wunderbaren Sommergenusses. (‚Ein Silvaner – wie gemalt‘ – ‚kein Dünnling‘)

Der Silvaner Ewig Leben Kab. 2017 (Nr. 11) ist ein grandioser sortentypischer Silvaner (85° Öchsle). Er zeichnet sich aus durch eine klassische Erdigkeit voller Leichtigkeit, gepaart mit einer zarten grünen Apfelnote. Ein Silvaner ‚at-its-best‘.

Der Blaue Silvaner Ewig Leben Kab. 2017 (Nr.12) zeigt schon jetzt sein Potential. Wegen seiner frischen Säure braucht er noch etwas Entwicklung bis zum Herbst.

Der Silvaner Kab. 2017 Pfülben (Nr. 14) ist mit 92° Öchsle eigentlich eine Spätlese und somit einer großartiger Vertreter seine Sorte. Er ist deutlich früher entwickelt als in den Vorjahren; er ist sehr konzentriert und mineralisch dicht mit gelben Fruchtnoten. Ein typischer Pfülben, ein Wein von Charakter, bei dem es nicht verwundert, dass die Universität Würzburg ihn kürzlich zum offiziellen Wein der Universität erkoren hat. Man kann dem Weingut ‚Trockene Schmitts‘ nur von Herzen gratulieren.

Der Sonnenstuhl Sylvaner Spätlese 2017 (Nr. 17) überzeugt mit viel Würze und betörenden gelben Noten. Er steht dem 2016 durch ENOS prämierten Silvaner (vgl. Vorbemerkung) in nichts nach.

Der Sylvaner Sonnenstuhl Alte Reben Spätlese 2016 (Nr. 19) ist zu einem traumhaften Wein von internationalem Format (vgl. Vorbemerkung) gereift. 10 Monate sur lie, im Stückfass ausgebaut – ein wunderbarer Silvaner Genuss.

 

Traminer

Der Randersackerer Lämmerberg Silvaner & Traminer Spätlese 2016 (Nr. 18a) zeichnet eine angenehme Aromatik aus, bei der der Traminer deutlich in die Silvaneraromen hineinspielt: ‚Ein Maul voll Wein!‘. Diesen Wein wird es leider als 2017er nicht geben!

 

Der Randersackerer Lämmerberg Gewürztraminer Spätlese 2017 (Nr. 18) überzeugt durch feine zarte Fruchtaromen (Litschi, Rosen). Er hat guten Trinkfluss und macht nicht satt.

 

Burgunder

Der Grauburgunder Ewig Leben Kab. 2017 (Nr. 4) ist ein schlanker Vertreter der Grauburgunderlinie. Von den Öchslewerten her eine Spätlese ist er etwas für Freunde dieser Sorte.

 

Hervorzuheben ist auch der Weiße Burgunder Marsberg Kab. 2016 (Nr. 16). Der lange Hefekontakt beim Ausbau hat sich voll ausgezahlt. Er überzeugt durch Saftigkeit, Fülle und Nachhaltigkeit. Insgesamt ein feiner Wein.

 

Der Weiße Burgunder Pfülben Spätlese 2016 (Nr. 22) hat einen leichten fein gereiften Cognacton (Barriqueausbau). Er ist cremig, mit feiner Würze; ein großer Wein (anderswo ein GG), der auch hervorragend zu Speisen mit kräftigen Röstaromen passt.

 

Kerner / Riesling / Rieslaner

Der Liter Kerner Ewig Leben Kab. 2017 (Nr. 8) wirkt wie ein schlanker Riesling; er ist fruchtig mit rassiger Säure.

Der Riesling Marsberg Kab. 2016 (Nr. 15) ist ein typischer schlanker Riesling voll rassiger Herbheit.

Der Riesling Sonnenstuhl Kab. 2016 (Nr. 3) überzeugt durch große Dicht und Extrakt (alte Reben). Er hat Fülle am Gaumen und in der Nase einen zarten Aprikosenduft.

Der Pfülben Riesling Spätlese 2016 (Nr. 20) ist ein ganz hervorragendes großes Gewächs (GG); filigrane, toll eingebundene Säure, große Mineralität (deutlicher Aprikosenton); er hat eine ausgewogene Art; ist im Abgang harmonisch und von großer Typizität. Ein ganz großer Riesling!! (Dieser Riesling ist ebenfalls als Wein der Universität Würzburg vorgesehen.)

Das gilt auch für den Rieslaner Sonnenstuhl Spätlese 2016 (Nr. 21). Er ist noch fülliger und schmelziger als der Riesling (in diesem Jahr 50 Jahre alte Rebanlage und ältester Rieslaner Weinberg Deutschlands). Er ist das Paradepferd unter den Weissweinen, mit Geschmacksfülle, Dichte und Kraft!

 

Scheurebe / Sauvignon Blanc

 Die Scheurebe Marsberg Kab. 2017 überzeugt auch in diesem Jahr wieder besonders. Sie ist sortentypisch und nicht aufdringlich. In der Nase zeigt sich fruchtiger Holunder, im Abgang eine etwas herbere Grapefruitnote.

Der Sauvignon Blanc Ewig Leben Kab. 2017 (Nr. 5), eigentlich eine Spätlese mit 96° Öchsle ist ein feinfruchtiger Wein. In der Nase grüne Gräser bis Brennessel, im Abgang gelbe Früchte. Ein feiner Trinkgenuss, wenn man den Wein noch etwas liegen lässt; große Nachhaltigkeit!

 

Rosé & Rotweine

 Der Ewig Leben Rosé Kab. 2017 (Nr. 24), eine Cuvée von 50% Portugieser und 50% Domina, ist ein typischer Schmitt’scher Rosé: beerenfruchtig (Erdbeere), weich (nur S 5,1 g/l) und süffig; an diesem Wein hat man den ganzen Sommer Freude.

Die Domina Ewig Leben Kab. 2015 (Nr. 25) präsentiert sich anders als im vergangenen Jahr: Sie ist die zweite, spätere Abfüllung mit deutlich längerem Holzfasslager. Sie ist samtig und weich und zugleich Gerbstoff betont: Ein stabiler, kraftvoller Rotwein.

Der Sonnenstuhl Frühburgunder Spätlese 2015 (Nr. 26) weist eine schöne Kirschnote auf, gepaart mit deutlichen Vanilletönen, die der Lagerung im Barrique entstammen.

Der Spätburgunder Sonnenstuhl Spätlese 2015 (Nr. 27) hat uns voll begeistert. Man kann dazu dem Weingut Trockenen Schmitts nur gratulieren. Hier hat sich der junge Winzer Lothar Schmitt bestens profiliert; ein Wein mit Fülle und Kraft, der sich vielen Spitzenweinen Burgunds in Blindproben messen kann. Ein Rotwein, von dem man nicht glaubt, ihn in Franken zu entdecken.

 

 Wolfgang Acht     Helmut Jahn

 

Weine aus östlichen Regionen

 

 

Weine aus dem Osten

BCC  Probe April 2018

 

Für die BCC Probe im April hatten wir uns ein mehr als herausforderndes Thema gewählt: Die mitgebrachten Weine nach unseren Kriterien (Kaufpreis max. 10.- €) sollten aus einer beliebigen Region östlich von Deutschland und Österreich stammen. Unter anderem war die Idee, Weinen aus Georgien noch einmal eine Chance zu geben, die uns bei der ProWein 2017 in Düsseldorf über die Maßen enttäuscht hatten.

Das gewählte Thema erwies sich dann als überaus ambitioniert, da allein die Beschaffung eines vorzustellenden Weines alle Mitglieder vor logistische Probleme stellte. So war z.B. in Köln kein Weinfachgeschäft in der Lage, einen derartigen Wein zu präsentieren. So kamen dann letztendlich sehr unterschiedliche Herkunftsgebiete zustande.

 

Beim ersten Wein hatte ein Weinfreund das Thema ‚Osten‘ sehr weit ausgelegt und präsentierte uns einen Wein aus Griechenland:

 

2014 Xerolithia   12,5 %     8,- €

Dieser Weißwein stammt aus der Stadt Peza auf der Insel Kreta und ist aus der Rebsorte Vilana gekeltert. Die Weinberge von Peza, die sich in Berglehnen befinden, werden heute noch durch die traditionellen “Xerolithies” (=trockene Steinwände) getrennt. Daher auch der Name. Die”Xerolithies“ wurden mit ”Lithous“ (=Steine) gebaut, die “xero” (=trocken, ohne Wasser) aufeinander gesetzt wurden, um die kargen Hängen vor Erosion zu schützen.

Charakter: Durch Sponranvergärung wirkt er leicht oxidativ, dennoch frisch und mit guter Säure. Die Farbe ist leuchtend und stroh-gelb. In der Nase dominieren intensive Aromen von Zitrusfrüchten (Zitrus und Limette) die im Hintergrund von exotischen Früchten (Ananas, Mango) und Marzipan abgerundet werden.

 

 

 

 

Beim zweiten Wein kam die lebhafte Erinnerung an zahlreiche Besuche in jugoslawischen Restaurants der 70er Jahre:

 

2014 Plavac Hvar   12%   6,- € (LEH)

 

Dieser typische Grillwein stammt von der Insel Hvar vor der Küste Kroatiens aus der Weinkellerei Svirce, abgefüllt von Badel 1862. Gekeltert aus der einheimischen Plavac mali Traube hat er eine kräftige, rubinrote Farbe.

 

Im Geschmack zeigt der angestellte Vranac rote Beeren, getrocknete Pflaumen und ein wenig Gewürze. Bei angenehmer Säure ist er leider etwas unterlegt von einem Bitterton, der an den Zähnen ein pelziges Gefühl entstehen läßt. Hier dürften etwas zu viel Rappen mit vergoren worden sein.

 

 

 

 

Der dritte Wein, den Walter mühsam über den Versandhandel erworben hatte, führte dann zur Urprungsidee der Verkostung:

 

2013 Kvareli  13,5 %   8.- € (Versandhandel)

 

Im Ergebnis der Blinddegustationen zum AWC Wien 2015 wurde der Kvareli 2013 ausgezeichnet mit dem SILBER.

Der Kvareli stammt aus der gleichnamigen Lage und dem Ort mit gleichem Namen im Osten von Georgien, nordöstlich der Hauptstadt Tiflis. Die Rebsorte heißt Saperavi und der Wein wurde 24 Monate im Barrique (und nicht in der Amphore!!) ausgebaut.

Im Geschmack zeigt sich der Wein mit viel Würze, rote Beeren, Rosinen und Schokolade. Das Holz ist gut eingebunden und liefert eine zarte Vanille. Er hat sehr gute Länge, Druck und Wucht; passt wunderbar zu kräftigem Käse.

 

 

 

Der vierte Wein stammte aus Montenegro:

 

2012 Vranac ‚Pro Corde‘     14%     8.50 € (LEH)

 

Dieser Wein stammt aus der Region Skadar See und kommt von der renommierten Kellerei Plantace, die 2012 bei AWC Wien als bester Weinproduzent in Montenegro ausgezeichnet wurde.

Die Rotweinsorte Vranac, aus der hergestellt wurde, ist eine der sehr alteingesessenen Sorten des Balkans und steht für hochwertige Rotweine. Der Name bedeutet so viel wie ’die strenge Schwere‘, ein Verweis auf den ausgeprägten Tanningehalt der Sorte. Angebaut seit dem Mittelalter mit enger Verwandtschaft zum Zinfandel findet man ihn heute fast auf dem gesamten Balkan.

Dieses Exemplar ist von kräftige Farbe und wuchtiger Nase. Zu 30% im Holz und zu 70% im Stahl ausgebaut ist er angenehm strukturiert, zeigt im Geschmack dunkle Früchte und Schokoladentöne; er ist rund mit weichen Tanninen. Er passt gut zu rotem Fleisch, Wild und reifem Käse.

 

 

Der letzte Wein in der Runde kam aus Ungarn:

 

2012 Villányi Kekfrankos   11,5%     10,00 €

 

Seit den 90er Jahren hat sich der Berliner Anwalt Horst Hummel in die Weine Ungarns verliebt, die er für deutlich unterbewertet erachtet. Im Laufe dieser Jahre entstand dann sein eigenes Weingut in Villányi mit zunächst 7 Hektar. Hier baut er spannende Rotweine aus verschiedenen Sorten an, durchaus auf europäischem Niveau.

Der hier verkostete Wein, durch die Beifügung ‚Nagytótfalu‘ als Ortswein gekennzeichnet, entstand aus der Rebsorte ‚Kékfrankos‘; das ist der ungarische Name für ‚Blaufränkisch‘ oder ‚Lemberger‘. Trotz der niedrigen Alkoholgradation hat der Wein nur 1g/RZ. Er verfügt über eine reife Frucht, ist frisch mit feiner Säure. Im Geschmack steht die kräftige Kirsch- und Sauerkirscharomatik im Vordergrund; im Hintergrund schmeckt man leichte Kamille. Offensichtlich braucht der Wein eine gewisse Reifezeit, scheint jetzt mir seiner schönen Mineralik auf dem Höhepunkt. Das gut eingebundene Tannin lässt auf gute Alterung schließen.

Beaujolais probiert

Beaujolais-Probe am 20. Oktober 2017

 Welche Erinnerungen kommen beim Namen ‚Beaujolais‘? Wer denkt da nicht an den berühmt-berüchtigten Beaujolais Nouveau, der im November eines jeden Jahres für wenig Geld die Sehnsucht nach Frankreich und nach französischen Rotweinen bediente, das Herz und den Magen wärmte und oft Kopfweh verursachte? Es sei dahin gestellt, ob das Letztere an der Qualität oder an der Menge des genossenen Weines lag.

Seit mehr als 10 Jahren gibt es aber eine unglaubliche Qualitätsoffensive in diesem Gebiet, was man aber offensichtlich in Deutschland noch nicht so richtig registriert hat. Wir konnten uns vor ein paar Jahren auf der Pro-Wein davon überzeugen. Im Bereich Beaujolais Villages – aber vor allem in den Appellationen wie Moulin-à-vent, Fleurie, Julienas – entstehen gänzlich aus der Gamay-Traube charaktervolle, dunkelfarbige und auch lagerfähige Weine.

Die Region zwischen Macon und Lyon – westliche der Saone gelegen- mit einer maximalen Ausdehnung von 50 km in der Nord-Süd-Richtung und 12 km in der Ost-West-Richtung ist sehr hügelig und dadurch mikroklimatisch geprägt.

Wir wollten uns bei der Probe diesem unterschätzten Thema annehmen. Eine Besonderheit, so haben wir dabei gelernt, ist die spezielle Form der Vergärung im Beaujolais: genannt ‚macération carbonique‘ = Kohlensäure-Maischung. Hierbei wird die gesamte Traube nach vorsichtiger Handlese und Transport in kleinen Behältnissen, um sie nicht zu verletzen, ohne Entrappung unter Ausschluss von Sauerstoff komplett vergoren. Die Trauben platzen nach Tagen der Gärung von innen auf, und so wird eine intensive Ausbeute der Frabstoffe der Beerenhaut ermöglicht.

Wir waren auf die Probe sehr gespannt, erwies sich doch die Auswahl von Beaujolais Weinen bei Kölner Fachhändlern als wenig vielfältig. Hier scheint der Aufschwung der Region – übrigens auch in der Preis-Qualitäts-Relation – noch nicht angekommen zu sein.

 

 

2013    L’ancien Beaujolais, Jean Paul Brun; 12 %

                9,90 €, Fachhandel

 Der Wein zeigt als Erstes einen frischen Saft, bringt in der Nase Veilchen und etwas Kirsche. Leider hat er wenig Nachhall. Den vorhandenen Bitterton konnten wir nicht so recht einordnen.

 

 

 

2015    Chateau de Bel Avenir, Beaujolais Village; 14,5%

                8,95 €, Fachhandel

 Diese Flasche präsentiert sich weich und rund; der Stoff kleidet den Mund aus. Er ist eher balsamisch als fruchtbetont. Der deutlich hohe und schmeckbare Alkohol fordert nach einem kräftigen Essen zum Wein.

 

 

 

2015    La Vigneronne, Beaujolais Village, Bouchard   13%

               9,50 €, Importeur

 Dieser überaus elegante Wein überrascht mit großer Länge, reifen Tanninen und deutlichen Kirschnoten. Seine reifen Tannine erweisen ihn als guten Essensbegleiter. Er punktet mit viel Eleganz.

 

 

 

2015    Moulin-à-vent, Domaine Laurent Perrachon et Fils,   13%

                8,75 €, Supermakt in Frankreich

 Dieser Wein, im Guide Hachette, gelistet, stammt von einem Renommiergut aus Julienas. Mit dem Jahrgang 2016 wurde es von der größten französischen Weinzeitschrift ‚La revue des vins de France‘ unter die Lieblingsweingüter aufgenommen. Entsprechend hoch unsere Erwartung: Wie alle anderen Weine ohne Dekantieren verkostet zeigt sich der Wein zunächst verschlossen und in der Nase wenig aussagekräftig. Nachdem er Luft ziehen konnte, zeigte er seine ganze Klasse: großer Saft, viel Eleganz; in der Nase ein Bouquet von roten Früchten; dann im Abgang etwas Pfeffer. Ein Moulin-à-vent wie er sein soll!

 

 

 

2014    Domaine de le Madone, Fleurie; 13%

                11,90 €, LEH

 Preislich eigentlich etwas oberhalb unseres Niveaus der BCC-Proben trafen wir aber auf einen sehr guten Tropfen. In der Nase zunächst Stallgeruch ließ die Vermutung eines Fehlers aufkommen. Im Geschmack dann aber zunehmend elegant und kräftig zugleich, mit viel Kirsche und reifen Tanninen.

 

 

 

Der außer Konkurrenz aus meinem Keller präsentierte 2011 Fleurie von der Domaine de la Chapelle des Bois stellte mit seinen subtilen Fruchtnoten (Veilchen / Kirsche / rote Früchte) und seiner runden Fülle die Lagerfähigkeit der Beaujolais-Weine unter Beweis. (‘Decanter’über diesen Wein: Rounded cherry fruit on the nose and palate. Ripe and beautifully balanced. Very appealing with a long finish.)

 

Insgesamt eine runde Probe ohne große Ausfälle mit vielen tollen Entdeckungen in einem hervorragenden Preissegment. Wir hoffen, dass dieses Anbaugebiet zunehmend die Aufmerksamkeit findet, die es wahrlich verdient.

 

 

Wolfgang Acht

Weine aus Frauenhand

BCC-Probe am 25. Juli 2017

 

Wie sind wir eigentlich auf dieses Thema der Juli Probe gekommen? Genau ist mir das nicht mehr erinnerlich; aber es ist gewiss kein Zufall, dass etwa zeitgleich das Weinbrevier des Kölner Weinkeller erschien mit dem Titel ‚Frauen Sache Wein‘. 20 verschiedenen Winzerinnen aus Deutschland und Europa werden porträtiert und ihre Weine zum Verkauf vorgestellt.

Im Einleitungstext von Andreas Brensing wird der VDP-Präsident, Steffen Christmann, zitiert mit dem Satz: ‚VdP-Winzer bekommen nur Mädchen‘ und er verweist auf die Tatsache, dass mittlerweile in Geisenheim die Hälfte aller Studenten weiblich sei.

So lag das Thema wohl in der Luft und die Aufgabe hieß einen deutschen Weisswein zu besorgen, von einer Winzerin gemacht, möglichst nicht von jemander, die schon zu den ‚Stars‘ gehört, wie Meike Näkel, Theresa Breuer oder Caroline Diel.

Angestellt wurden dann:

 

2014 Riesling Hochgewächs trocken, Dominikanerweingut Kasel

 

https://www.weingut-von-nell.de

 

Dieses Weingut wird in der 11. Generation jetzt von Dr. Carmen von Nell-Breuning. Der Riesling, im Weinfachhandel für 9,30 € erstanden, hatte seine beste Zeit hinter sich (Lagerfehler??). Es herrschte eine kräftige Säure vor; Substanz, Geschmack, Körper gleich Null. Der Versuch, ihn durch Umfüllen in eine Karaffe zum Leben zu erwecken, war nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht lohnt eine Nachprobe beim Händler.

 

2016 Sauvignon blanc, Weedenborn, Rheinhessen

 

http://www.weedenborn.de/

 

Der Sauvignon Blanc steht bei Gesine Roll auf ihrem 16ha großen Gut mitten in Rheinhessen sozusagen im Mittelpunkt. Dreistufig wird er ausgebaut. Dieser Einstiegsgutwein gefiel außerordentlich durch seine straffe Säure mit zitronigen Noten. Sortentypisch waren die gelben Fruchtnoten mit Stachelbeere und Kiwi und in der anhaltenden Saftigkeit eine gewisse feine Salzigkeit. Für 9,80 € ein Sauvignon mit sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis.

 

2013 Grauburgunder Spätlese trocken; Weingut Adriane Moll – Römergut, St. Martin

 

 

http://www.adriane-moll.de

 

Obwohl eigentlich keiner der BCC-Freunde ein Grauburgunder Fan ist, wusste dieser Wein aus dem Öko-Weingut Adriane Moll zu begeistern. Für einen gereiften Wein diese Qualitätsstufe war er erstaunlich schlank, hatte dennoch einen schönen gerundeten Honigton mit balsamischen Noten, großer Länge und Fülle. In Verbindung mit einem kräftigen Camembert offenbarte er eine ungeahnte Frische.9,90 € waren für diesen Wein mehr als angemessen.

 

2016 Silvaner trocken, Weingut Juliane Eller, Alsheim

 

 

http://www.juwel-weine.de/

 

Juliane Eller nennt ihre Weine ‚Juwel‘-Weine, weil sie dem Traubenmaterial Schliff verleihen will, so dass daraus ein Juwel wird. Der angestellte Silvaner, dass sie in ihrer Ausbildung u.a. bei Klaus-Peter Keller viel gelernt hat und nicht zu Unrecht im 2017 Gault Millau als Anwärterin auf einen weiteren Aufstieg gelistet wird. Der Wein zeigt würzige Sponti Noten und bei unauffäller Nase viel Saft und Fülle, gepaart mit einer leichten Salzigkeit. Ein großer Wein für 8,50 €.

 

2015 Riesling trocken vom Rotliegenden, Weingut Mathern, Nahe

 

https://www.weingut-mathern.de

 

Dieser Riesling, von Gloria Mathern und ihrer neuen Kellermeisterin Julien Chevalier verantwortet, ist quasi der Basisriesling des Nahegutes. Er ist ein typischer Gutswein, ‚lecker‘ im besten Sinne des Wortes; ein feiner Terrassenwein für den Sommer mit schönem Trinkfluss, dem der Gault Millau zu Recht 83 Punkte verleiht. Mit 9,80 € vielleicht für einen Gutswein etwas zu teuer.

 

 

Fazit: Machen Frauen andere Weine als Männer? fragt das o.g. Weinbrevier des Kölner Weinkellers. Das dürfte sicher nicht generell der Fall sein. Unsere Probe hat gezeigt, dass die von uns probierten Weine aus Frauenhand zur Finesse der deutschen Weissweine beitragen.

 

 

Wolfgang Acht

Das Markgräflerland ist nicht nur ‚Gutedel‘

 

Bescheiden und bodenständig, so wie die südwestliche Region Deutschlands allgemein, zeigt sich das Markgräflerland. Sympathische Menschen, die unter anderem leckeren Wein anbauen, begegnen uns, und gerne lassen wir uns von den leiblichen Genüssen in dieser unteren linken Ecke unserer Republik verführen. Nicht umsonst haben wir uns dem hier gepflegten Gutedel gewidmet und einige erfrischende Varianten dieser Rebe verkostet.
Natürlich ist die charakteristische Rebsorte, aus der hier der Wein hergestellt wird, eben dieser Gutedel. Er wird auch salopp der „Markgräfler“ genannt. Die Traube ist unter den Namen „Chasselas“ bekannt, in der Schweiz eher als „Fendant“. Diese Rebsorte wurde um 1780 vom badischen Markgrafen Karl Friedrich von Baden aus der Schweizer Region Genfer See ins Markgräflerland gebracht, wo sie heute auf einer Anbaufläche von ca. 3.000 ha liebevoll gepflegt und sowohl als roter als auch als weißer Gutedel ausgebaut wird.

Das Markgräflerland erstreckt sich übrigens von Basel bis nach Freiburg im Breisgau bzw. von der Rheinebene bis zum Schwarzwald.

Schaufenster des Markgräfler Weins ist der Müllheimer Weinmarkt, der seit 1873 alljährlich am letzten Freitag im April stattfindet und der älteste Weinmarkt in Baden ist. Des Weiteren gibt es in Freiburg- St. Georgen das St. Georgener Weinfest, bei dem neben den „Freiburger“ Weinen aus Munzingen am Tuniberg und St. Georgen vor allem Markgräfler Weine aus Schallstadt-Wolfenweiler, Pfaffenweiler oder Ehrenstetten angeboten werden.

 

   

Gemeinsam mit beinahe 1100 Winzerfamilien verfolgt man konsequent das Ziel, Weine hoher Qualität zu erzeugen. Den Grundstein für diese Qualität wird bereits im Wingert gelegt. In jeder Stufe der Rebbergsarbeit sowie im Keller ist das tägliche Tun und Handeln strikt nach den Kriterien qualitativen Weinan- und ausbaus ausgerichtet. Ich denke, das ist die gesunde Einstellung aller Winzer zur Erzeugung einer bestmöglichen Qualität.
Neben der Hauptrebensorte „Gutedel“ gilt ein großes Augenmerk weiterer Rebsorten, die aufgrund des günstigen Klimas hier zu bundesweit prämierten Spitzenweinen heranreifen. Schauen Sie sich die alltägliche Wetterkarte an und beobachten Sie die jährlichen Durchschnittstemperaturen und die durchschnittlichen Sonnentage, mit denen das Markgräflerrland gesegnet ist. Deswegen finden Sie hier auch andere hervorragende Weißweine wie Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay. Aber auch Rotweine wie der Spätburgunder, Regent oder Merlot gedeihen ganz erfreulich.

Also  –  Markgräflerland ist nicht nur ‚Gutedel‘  !

 

 

Das Weingut Engler

       

Die Schwarzwald Tourismus GmbH beschreibt das Weingut Engler zurecht in wohl klingenden Worten:
Im Herzen Müllheims präsentiert sich das Weingut Engler mit seinen Weinen modern, naturnah und begeisternd. Die Erzeugung trockener, durchgegorener Kabinett-Weine ist die Leidenschaft der Winzerin Andrea Engler-Waibel.
Engler Weine sind fruchtig, filigran, äußerst lebhaft und bekömmlich; sie animieren zum Trinken. Passend zu dieser Weinphilosophie hat Andrea Engler-Waibel 2011 die Vinothek neu gestaltet und Moderne und Tradition mit klassischen Elementen vereint, so wie bei Ihren Weinen. Edle Kupfereiche und transparentes Glas geben der Verkostung und der Wertigkeit der Weine einen stilvollen Rahmen.      (Quelle: Schwarzwald Tourismus GmbH)

 

…und so stellt sich das Weingut Engler selbst dar:

Unsere Lagen und Weine

Wir bewirtschaften 10 ha Reben in den bekannten Müllheimer Weinbergslagen Reggenhag, Pfaffenstück und Sonnhalde sowie am steinigen und steilen Römerberg in Badenweiler.
Unser Flaggschiff ist die Markgräfler Spezialität, der Gutedel. Burgunderreben wie der Grauburgunder und der Spätburgunder gedeihen in Rebbeständen, die 20 Jahre und älter sind. Neben diesen Sorten bauen wir auch Weißburgunder, Auxerrois, Chardonnay, Spätburgunder Rosé, etwas Nobling, Riesling und Gewürztraminer an.
Wir bieten Ihnen ein umfangreiches typisches Markgräfler-Sortiment an, welches vom Gutedel dominiert wird und wunderschöne Ergänzungen im Burgunderbereiche hat. Lassen Sie sich bei einem Besuch und einer Weinprobe von unseren Weinen begeistern.

Unsere Philosophie

Guter Wein kann nur im Einklang mit der Natur entstehen.
Diese Einsicht ist bei uns schon immer Tradition. Die Kunst ist es, das gesamtePotenzial des Ökosystems voll auszuschöpfen.
Mikroklima, Boden, Topographie auf der einen Seite, schonende und naturnahe Bewirtschaftung ohne Einsatz von Herbiziden und Insektiziden auf der anderen Seiteführen mit viel Liebe und Erfahrung zum optimalen Ergebnis. Unser Ziel ist Weine zu erzeugen, die nicht nur gut schmecken, sondern auch bekömmlich sind.
Für uns muss der Wein vor allem ehrlich sein. Ein Grund, warum wir uns als eine der wenigen im Markgräferland dem Kabinett verschrieben haben. Kabinett-Weine gehören zur ersten Stufe der Prädikatsweine. Sie kommen so in die Flasche, wie sie vom Rebstock von Hand geerntet werden: ohne Anreicherung vor der Gärung. Früher nannte man sie daher auch naturrein. Ein hoher Alkoholgehalt im Wein kann so manches kaschieren. Weil der Kabinett ohne Anreicherung jedoch nur zwischen 11,5 und 12,5 % Alkohol bildet, schmeckt der Wein so, wie er eben wirklich schmeckt – ehrlich. Und ist damit ein leichter, bekömmlicher und schnörkelloser Begleiter der feinen Küche.

Seit der Einführung des ambitionierten Gutedelcups im Markgräflerland war das Weingut Engler schon viermal Cup-Sieger und liegt jedes Jahr unter den Top Ten.

Weinbautradition unter weiblicher Führung

Gute Weine zu produzieren ist die Leidenschaft unserer Familie.
1892 erwarb mein Urgroßvater Max Engler-Rieggerdt nach einer Weinhandelslehre im Weingut Blankenhorn in Müllheim das Anwesen am Moltkeplatz.
Gemeinsam mit seiner Gattin betrieb er Weinbau und Landwirtschaft. Seine akribischen Aufzeichnungen belegen das Auf und Ab in der Weinwirtschaft. Großvater Max Engler und seine Frau Maria konzentrierten sich darauf, in wirtschaftlich schweren Zeiten den Betrieb und das Gehöft zu erhalten.
1960 übernahm mein Vater Hans den Hof und erweiterte mit meiner Mutter Ursula in den folgenden Jahren das Weingut auf die heutige Fläche und eine ausschließliche Flaschenvermarktung.
Im September 2004 habe ich, Tochter Andrea, das Weingut von den Eltern übernommen. Nach meinem Oenologie-Studium in Geisenheim und 5 Jahren Betriebsleitung in einem Weingut am Bodensee bin ich 1999 in das elterliche Weingut zurückgekommen.

Seit 2004 führt also Andrea Engler-Waibel nun Regie und ist auf ihr Team sehr stolz.

Sie ist Gründungsmitglied von Vinissima – Frauen & Wein.

 

       

Seit Juni 2011 werden die Gäste in einem neuen Weinverkaufsraum mit Probierstube begrüßt. Verführerisches Ambiente erleichtert die Sinne!   (Quelle: www.weingut-engler.de)

Verkostung spritziger Engler-Sommerweine

Das aufstrebende Weingut Engler in Müllheim im Markgräflerland gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit und kann sich aktuell über Empfehlung im Eichelmann 2017 und Gaullt Millaut 2017 freuen.

Ich hatte Gelegenheit, zwei Roséweine zu verkosten und kam zu folgendem Eindruck:

•  Spätburgunder Rosé 2015 „Müllheimer Sonnhalde“, Kabinett, trocken
ein feiner Rosé, der auch nach zwei Jahren noch mundet und mit seinen erfreulicherweise nicht zu dominanten Erdbeeraromen ebenso erfreut wie durch seine für einen Rosé erstaunliche „Länge“

 

 

•  Ebenfalls ein Spaßmacher ist der „Rosé 2016“, der vorwiegend aus derSpätburgundertraube stammt, jedoch zusätzlich mit einem kleinen Anteil Regent verschnitten ist. Er präsentiert sich frisch und knackig und ist sicher ein toller Begleiter für leichte Sommerspeisen. Aber auch „solo“ zeigt er sich als ein super Feierabendwein, wobei die Wahl der Tageszeit dem fröhlichen Genießer bzw. der geneigten Genießerin überlassen bleibt….

 

Erhard Bleit

Etwas Spritziges für den Terrassenabend

Mit „Gutedel“ auf den Sommer freuen

 

BCC Probe Ende April 2017

Die BCC Probe im April sollte dem Thema ‚Gutedel’ gewidmet sein, mit Blick auf einen hoffentlich schönen Sommer und sonnige Nachmittage und Abende auf der Terrasse oder im Garten.

       

Ein Blick in den entsprechenden Artikel bei Wikipedia verschafft eine erste Orientierung über diese Sorte, die nahezu ausschließlich südlich von Freiburg (Markgräfler Land) und in der Schweiz angebaut wird. Alle fünf Verkostungsweine stammen auch aus diesen beiden Bereichen.

 

 

2015 Britzinger Rosenberg, Weingut Behringer, Britzingen

www.behringer-wein.de

Dieser Gutedel, ein Einstiegswein des bekannten Britzinger Weinguts, mit 12,5% Alkohol und RZ 2,6, ist neutral in der Nase, unkompliziert und mit schönem Trinkfluss, frisch und ohne Säuredominanz; geradezu süffig – also ideal als Terrassenwein, wenn da nicht der etwas hohe Alkoholgehalt entgegenstünde. Fazit: Als Sommerwein schön, aber zu viel Alkohol und in dieser Kategorie etwas zu teuer! (6,50 €)

 

 

2015 Müllheimer Reggenhag Kabinett, Weingut Engler Müllheim

www.weingut-engler.de

Die ambitionierte Müllheimer Winzerin Andrea Engler, die sich die Pflege der Kabinett Weine auf die Fahne geschrieben hat, konnte mit diesem Gutedel in 2016 den Gutedel-Cup gewinnen. Bei der Probe war der Wein etwas enttäuschend, hatte er doch seine Frische und Mineralität deutlich eingebüßt. Geblieben waren ein Ton von Litschi und eine Gummibärchennote. (Erstaunlich: Bei der Nachprobe am anderen Tag waren diese Töne einer Klarheit und Sortenreinheit gewichen!!) Ein Weingut und ein Wein, den man auch in 2016 verfolgen sollte!

 

 

2015 Heitersheimer Gutedel, Weingut von der Mark, Bad Bellingen

http://www.weingutvondermark.de

 Dieser Wein aus Heitersheimer Lagen (zugekaufte Trauben oder von einem anderen Winzer vinifiziert; von der Mark firmiert als Abfüller) mit 1,4 RZ zeigt am Gaumen trotz einer geringen Säure von 3,5% erstaunliche Frische und Druck, unterstützt von einem feinen Mandelton. Seine belebende Mineralität macht ihn zu einem guten Essensbegleiter, gerade jetzt in der Spargelzeit.

 

 

In der Reihe diese eher klassischen Gutedel erwiesen sich dann als die beiden Highlights des Abends:

 

2015 Heitersheimer Malteserberg, Weingut Zotz, Heitersheim

www.weingut-zotz.de

Das Weingut Zotz, das mit 75 Hektar Rebfläche zu den größten Weingütern Deutschlands zählt, präsentiert hier einen Gutedel der eher fülligen Art. Mit 12% Alkohol und 4 Gramm RZ entwickelt er im Mund große Kraft und ist sehr druckvoll. Ein gehaltvoller Wein, für 5,50€ in einem angenehmen und überraschend günstigen Preissegment.

 

 

2015 Müllheimer Reggenhag Kabinett, Weingut Hermann Dörflinger, Müllheim

www.weingut-doerflinger.de

Dieser Wein vom sogenannten Gutedel-Papst Hermann Dörflinger, der Gutedel aus vier verschiedenen Lagen auf seiner Karte führt, zeigt die leichte, mineralische Weise. Mit leichter Nase, im Mund aber mit floralem, saftigem, animierendem Spiel, ist er mit niedrigem Alkoholgehalt, 11,5%, und völlig durchgegoren, wie es der Philosophie des Hauses entspricht, der ideale Sommerwein schlechthin.

 

 

Zum Abschluss dann zwei ‚Chasselas‘, eher in der Schweiz gebrauchte Synonym-Bezeichnung des Gutedels mit der Besonderheit, dass dort beim eher säurearmen Wein noch ein biologischer Säureabbau zuteilwird.

 

     

 

2016 Chasselas Morges, Cave de la Côte

www.uvavins.de

 Von der Winzergenosssenschaft in Morges, am Rand des den Genfer Sees, stammt dieser Wein aus dem Vertreib von Jaques-Weindepot. Bei 12,5% Alkohol, einem RZ von 0,8 Gramm und trotz BSA noch 4,6 S lebt er noch von der Hefe geprägten Jugendlichkeit. Auffallend seine weiche Cremigkeit, sein Duft von Pfirsich, Banane und etwas Mango; eher ein weicher Schmeichler und Essensbegleiter als ein Sommerwein. Mit 9,50€ in einem ambitionierten, Schweizer Verhältnissen angepassten Preissegment.

 

 

    

2014 Chasselas, Haltinger Winzer, Weil am Rhein

www.wg-haltingen.de

Dieser Wein stammt aus der Exklusiv Reihe der Winzergenossenschaft ist bei einer Säure von 4,9, einem RZ von 1,2 nur mit leichten 11,5% Alkohol ausgestattet; umso erstaunlicher das füllige Barrique-Aroma mit Vanille Tönen in der Nase, und die reifen gelben Noten am Gaumen. Insgesamt ein untypischer Gutedel, aber ein wunderbarer Essensbegleiter. Man sollte den 2014er nicht mehr lange aufbewahren!

 

Wolfgang Acht

 

Verkostung von Frankenwein

 

 

Reben, die neugierig machen…

Weine, die begeistern…

Ein Weingut, welches größte Beachtung verdient…

 

In der Karwoche haben wir in Randersacker die Weine der Frühjahrsliste 2017 des Weinguts „Trockene Schmitts“ verkostet. Unsere Einschätzung der Weine wollen wir kurz mitteilen. Vielleicht kann sie bei der Auswahl eurer Weine von Nutzen sein.

 

Zunächst zwei allgemeine Vorbemerkungen:

Die Liste 2017 ist etwas anders aufgebaut als bisher üblich: Es beginnt mit der Serie ‚Ewig Leben‘, der sich die ‚Klassiker-‚ und ‚Konsequent.‘ Reihe anschließt. Die Literflaschen folgen dann zum Ende.

Der gesamte Jahrgang 2016er stellt gegenüber dem 2015er noch einmal eine Steigerung dar. Er ist vielleicht nach 2012 der schönste Jahrgang der letzten Zeit!

Literweine / Ewig Leben Reihe / Klassiker / Große Weine

 Die Literweine sind wie immer frisch und süffig und überzeugen nicht nur durch geringen Alkoholgehalt (11 %) – Ausnahme Kerner 12,5 %. Sie sind ideale Sommerweine, stimmig und erfrischend, dass sie überall zur Freude gereichen.

 

 

Müller-Thurgau

Der Liter Müller-Thurgau Ewig Leben 2016 (Nr.6) – wie schon in vorigen Jahren beschrieben – saftig, unkompliziert, leicht und schön und mit einer für einen Literwein guten Länge im Abgang. Er hat eine ganz tolle Note, ist gradlinig und von köstlichem Duft.

Der Müller-Thurgau Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr. 10) ein fülliger M-Th mit feiner Säure und feinem Duft. Hier lässt der Berg mit seinen über 40 Jahre alten Rebstöcken grüßen. Er zeigt gelbe Fruchtnoten und große Würze. (Dieser Müller-Thurgau wurde in 2014 und 2015 vom Gault-Millau als der beste trockene Müller-Thurgau Deutschlands ausgezeichnet!! Wir gehen davon aus, dass auch der 2016er diesem Anspruch genügt!)

Der Rivaner Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.1) aus der Ewig Leben Reihe ist schön mit einer leichten Bonbon Note, aber z.Zt. im Abgang noch nicht ganz ausgewogen.

 

Bacchus

Auch die Freunde eines leichten fein fruchtig duftenden (Rosenduft) Liter Bacchus Ewig Leben 2016 (Nr.7) werden nicht enttäuscht sein. Er hat ferner ein feines Holunderaroma und ist erfrischend.

Der Bacchus Kabinett Ewig Leben 2016 (Nr.2) ist deutlich aromastärker, hat ein kräftiges Bukett, ohne allzu aufdringlich zu sein. Er ist schlank, hat aber dennoch Kraft und Ausdruck.

 

Silvaner

Anlässlich seiner ersten Silvaner-Challenge schrieb das Weinmagazin ENOS: „Der Silvaner ist ein echtes Aschenputtel in der deutschen Weinlandschaft. Vielfach unterschätzt, ist die Sorte durchaus in der Lage, sowohl als trockener Qualitätswein wie auch als edelsüße Trockenbeerenauslese zu punkten, ja sogar echte Traumweine hervorzubringen. Dabei braucht er immer Reife, um sein Potential voll zum Ausdruck zu bringen…Wenn dann die gesamte Würze, gepaart mit Finesse und Frische, zum Tragen kommt, dann gehört der Silvaner zu den interessantesten Sorten Deutschlands. Auch wenn das kaum jemand weiß.“

Freunde der Weine der Trockenen Schmitts wissen es schon lange. 6 Silvaner verzeichnet die Frühjahrsliste – Silvaner von unterschiedlichen Randesackerer Weinbergen.

Der Liter Silvaner Ewig Leben 2016 (Nr. 9) ist ein schöner typischer Silvaner, leicht und vom Duft schon voll da. Seine Entwicklung weist in Richtung eines herrlichen Sommergenusses.

Der Silvaner Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.11) ist ein grandioser sortentypischer Silvaner (84° Oechsle). Er zeichnet sich aus durch eine silvanertypische Erdigkeit, die mit einer wunderbaren Leichtigkeit verbunden ist. Ein fränkischer Silvaner ‚as its best‘!!.

Vom Blauen Silvaner Kabinett 2016 Vom alten Berg (Nr.12) zeigt eine frische Säure, hat schöne Mineralik und Töne von grünem Apfel. Er zeigt jetzt schon sein Potential, braucht aber noch etwas an Entwicklung.

Der Silvaner Kabinett 2016 Pfülben (Nr.14) ist mit 90° Oechsle ist wunderschöner Kabinettwein; jetzt schon sehr konzentriert und mineralisch dicht ist dieser typische Pfülben ein Wein von Charakter, aber deutlich früher entwickelt als etwa in 2015. Dieser Wein schmeckt unverwechselbar nach Pfülben.

Auch der Silvaner Sonnenstuhl Spätlese 2016 (Nr.17) braucht noch ein wenig Zeit (bis Juni).Er hat gelbfruchtige Stilistik (Banane, Melone, Birne), schmeichelnd und lang im Abgang.

Der Sylvaner Sonnenstuhl alte Reben Spätlese 2015 (Nr.19) ist zu einem traumhaften Wein gereift; 10 Monate sur lie, imStückfass ausgebaut, ein wunderbarer Silvaner-Genuss. Er braucht 1 1/2 Jahre zur vollen Entwicklung, hat jetzt sein volles Potential erreicht.

 

Traminer

Den Randersackerer Lämmerberg Silvaner & Traminer 2015 (Nr.18a) zeichnet eine angenehme Aromatik aus, bei der der Traminer anklangssmäßig in die Silvaneraromen hineinspielt – wie ein zarter Traminer-Kuss“.

Der Randersackerer Lämmerberg Gewürztraminer Spätlee 2016 (Nr.18) ist wie immer schön. Er überzeugt durch einen feinen zarten, nicht aufdringlichen Traminer Rosenduft.

 

Burgunder

Neu im Sortiment ist als Jungfernwein der Graue Burgunder; 2014 gepflanzt, ist er zum ersten Mal im Ertrag. Er ist ein schlanker Vertreter der Grauburgunderlinie; vielleicht ein feiner Spargelbegleiter.

Hervorzuheben ist auch der Weiße Burgunder Marsberg Kabinett 2016 (Nr.16). Er entfaltet sich schon jetzt voll: feiner Duft, große Länge. Der lange Hefekontakt beim Ausbau hat sich voll ausgezahlt. Er ist schon früh trinkbar mit gut eingebundener Säure, großer Frucht und Saftigkeit. Insgesamt ein feiner Wein.

Der Weiße Burgunder Pfülben Spätlese 2015 (Nr. 22) hat einen leichten feingereiften Cognacton (Barriqueausbau). Ein schöner Begleiter zur Zigarre und zu kräftigem Käse.

 

Kerner / Riesling / Rieslaner

Der Liter Kerner Ewig Leben 2016 (Nr.8) wirkt wie ein „schlanker Riesling“. Er ist kräftig, etwas für Kernerfreunde. Er ist Solist, aber ein schöner Essensbegleiter; passt gut zu einem Schinkenbrot.

Der Riesling Marsberg Kabinett 2015 (Nr. 15) hat einen guten Rieslingduft. Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Der Riesling Sonnenstuhl Kab 2015 (Nr. 3) überzeugt durch große Dichte und Extrakt (Alte Reben). Kurzum, er ist ein intensiver Riesling.

Der Riesling Pfülben Spätlese 2015 (Nr. 20) ist ein ganz hervorragendes großes Gewächs, filigrane, toll eingebundene Säure, große Mineralität (Aprikosenton); er hat eine ausgewogene Art, ist im Abgang harmonisch und von großer Typizität.

Dies gilt auch für die Rieslaner Sonnenstuhl Spätlese 2015 (Nr.21). Sie ist noch fülliger und schmelziger als der Riesling (alte Reben). Sie ist das Paradepferd unter den Weißweinen, mit Opulenz und Kraft!

 

Scheurebe

 Die Scheurebe Marsberg Kabinett 2016 (Nr.13), überzeugt in diesem Jahr besonders. Sie ist unglaublich sortentypisch und dabei nicht aufdringlich. Wir haben schon lange nicht mehr eine so tolle Scheurebe genießen dürfen.

 

Sauvignon Blanc

Der Sauvignon Blanc Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.5) ist ein feinfruchtiger durchaus wuchtiger Wein, vollausgereift, mit einem Aroma von reifer Melone und gelbroter Paprika (gelbe Stilistik!), im Hintergrund schöne grüne Noten, feiner Trinkgenuss bei 92 Öchsle!

 

Rosé & Rotweine

 Der Rosé und die drei in der Liste aufgeführten Rotweine überzeugen.

Der Rosé Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr. 24), eine Cuvee aus 50% Portugieser und 50 % Domina ist ein zarter typischer Schmittscher Rosé: beerenfruchtig, weich (nur S 5,0 g/l) und süffig. An diesem Wein hat man den ganzen Sommer Freude. Ein ähnlich toller Rosé wie in 2012!

Die Domina Ewig Leben Kabinett 2015 (Nr. 24), samtig und weich mit einer deutlichen Kirschnote und feinen Tanninen.

Der Frühburgunder Sonnenstuhl Spätlese 2013 (Nr. 26), dunkel, ausgereift und würzig ist großer Wein mit einem tollen Preis- Leistungsverhältnis; z.Zt. etwas ausdrucksstärker als die durchaus ansprechende Spätburgunder Sonnenstuhl Spätlese 2014 (Nr.27).

 

 

Wir sind begeistert von der Vielfalt der Weine und freuen uns, für diese angenehmen und spannenden Tropfen neue Freunde finden zu können.

Wolfgang Acht und Helmut Jahn

Chianti – Probe

BCC-Probe ‚Chianti‘ am 3. Februar 2017 in Köln

 

 

Mit Blick auf das Datum und die Jahreszeit sollte bei der Februar Weinprobe des BCC noch einmal das Thema Rotwein im Mittelpunkt stehen. Da wir bisher selten unseren Blick nach Italien gerichtet hatten, galt als Aufgabe ‚Chianti classico‘, wie immer beim BCC mit der Maßgabe: Flasche unter 10.- €! Das sollte sich in diesem Fall als äußerst schwierig, bis unmöglich erweisen. Da ein Weinfreund beruflich verhindert war, wurden 4 verschiedene Weine angestellt.

 

„Ja, ja, der Chiantiwein…“

Nicht zuletzt dieses Lied, ein Evergreen von Gerhard Winkler , der durch Rudolf Schock zum großen Schlager hochstilisiert wurde (1940), auch die besondere Flasche, die „fiasco“ mit dem charakteristischen Korb aus Bast geflochten, die den Touristen in Italien bleibende Erinnerung geschaffen hat, verhalfen dem „Chianti“ zu großem Ruf; und das betraf tatsächlich nur die Menge! Dies hat sich jedoch heute erheblich geändert.

 

Die vielbesuchte Toskana und die Chianti-Region

Die Region selbst liegt südlich von Florenz in Richtung Siena und kann nicht allzu viel spektakuläre geschichtliche und architektonische Besonderheiten vorweisen; es ist viel mehr eine sympathische Hügellandschaft, die vor allem durch ihre Fruchtbarkeit den Menschen in der Toskana Genüsse aus Wald, Feld und eben auch Weinberg verholfen haben.

     

In Italien gibt es in jeder Region Weinbau. Die Toskana hat dabei das Siegerpodest erklommen und ihre Weine dürfen seit 1984 das Prädikat des höchsten Gütezeichens in Italien tragen, die Bezeichnung „DOCG“ (‚Denominazione di Orgien Controllata e Garantita   –  kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung). Als Markenzeichen trägt die Erzeugergemeinschaft des „Chianti Classico“, angesiedelt in dem traditionellen Chiantigebiet,  den schwarzen Hahn  –  „gallo nero“. Dieser Wein wächst in den Gemeinden Castelina,Gaiole, Radda usw. entlang der Straße „Via Chiantigiana“ unterbrochen von Olivenhainen, Eichen und Kastanien. Er wird unter der Bezeichnung „DOCG“ nach gesetzlichen Vorschriften ausgebaut. Die Bezeichnung „DOC“  (Denominazione di origine controllata  –  kontrollierte Anbaugebiete) ist ein Siegel freiwilliger Konsortien. Wichtig für die Reinheit ist ferner die Etikettenaufschrift „Imbottigliato all Orgine da… (gefolgt vom Hersteller- oder Gutsnamen). Wenn nur „Imbottigliato da… auf der Flasche steht, könnte das auf eine Beimischung fremder Weine oder Trauben hindeuten.

                            

Der Chianti Classico aus dieser traditionellen Region ist also erkennbar an dem schwarzen Hahn am Flaschenhals. Der nicht aus dem Classico-Gebiet stammende Chianti trägt anstelle des Hahns ein Engelchen auf dem Halsetikett. Der beste „Chianti Putto“, der mit dem Engelchen, steht dem Chianti Classico nicht nach. Angebaut wird er in den Florentiner Hügeln, um Pisa, um Arezzo und um Siena. Die touristen-freundliche Korbflasche ist mittlerweile von der sachlichen Bordeauxflasche abgelöst worden; und damit sind auch die Qualitäten in große Höhen geschossen.
Der „Chianti Classico“ wird immer noch nach der historischen Formel hergestellt, so wie sie gesetzlich vorgeschrieben ist: es werden 4 Rebsorten angebaut, der Sangiovese (70 – 80 %), der dunkle Canaiolo, eine Rebe von uralter toskanischer Herkunft. Es werden auch noch 2 weiße gepflegt, der toskanische „Trebbiano“ und der “Malvasia“, die manchmal das Cuvée des Chianti bereichern  –  jawohl, das sind weiße Rebsorten!
Chiantis tragen immer klangvolle Phantasienamen und stellen ein Cuvée aus Sangiovese, Canaiolo, manchmal mit Merlot angereichert, dar. Mit schmerzverzerrtem Gesicht taucht nun bei den Winzern in der traditionellen Chiantiregion auch die Cabernet-Traube auf.

(Quelle: chianticlassico.com / Wikipedia / Harald L. Bremer u.v.a.,  –   recherchiert von W. Haarhaus)

 

Der Chianti-Propbenabend des „bcc-köln“

In der heimischen Gegend um Köln wurde quasi als Entrée vom Gastgeber eine Faßprobe eines Weißweins kredenzt. Der junge Tim Stelter, der nach einer Weinbaulehre im Hause Meyer-Näkel, derzeit eine Ausbildung als Weinbautechniker bei Brogsitter absolviert, hat als Prüfungsaufgabe u.a. einen Grauburgunder vinifiziert. Es ist ein ungewöhnliches Experiment, welches den Namen „Das Zero-Projekt“ tragen soll, denn das Ziel ist der minimale Anteil Restzucker. Der Wein konnte mit seiner trockenen Art, seiner den Mund füllenden Cremigkeit und seiner Länge gefallen. Dabei fehlt ein wenig an Säure (kein BSA!). Man darf auf das Endergebnis gespannt sein.

 

 

Dann ging es nach Italien:

 

Aldi Castelsina 2017-02-11

2014 Castelsina Chianti 2014

Eine Cuvée aus Sangiovese und Merlot mit 2 Gläsern im Gambero Rosso. 4,99 LEH
In der Nase wenig ausdrucksvoll; mittlere Länge mit wenig Säure; milde Tannine; erdig, dann etwas Lakritze, später kommt ein Hauch von Sauerkirsch. Ein Chianti für jeden Tag mit passablem Preis-Leistungsverhältnis.

 

Capotondo, Vescine188_250

2014 Capotondo Chianti Classico, Weingut Vescine

Das Weingut Castelvecchi-Vescine liegt mitten im Gallo Nero Gebiet und erzeugt seit 2003 Weine. Dieser Chianti besteht 90% Sangiovese und 10% Canaiolo, hat 13.5% Alk und kostet im Weinhandel 10,95€ (etwas über Limit!)
Ein kräftiger Chianti mit schöner, gut eingebundener Säure, milden Tanninen und guter Länge und Struktur; im Mund deutlich Cassis, Waldbeeren und ein Hauch von Schokolade. Ein Chianti ‚at its best‘!

 

Castello di Querceto188_250

2014 Chianti Classico, Castello di Querceto

Das große, in Greve mitten im Chianti liegende Wein- und Olivengut Castello di Querceto erzeugt verschiedenen Weinlinien. Dies ist der ‚Brot- und Butter‘-Chianti und kostet im LEH 9,80 € (Achtung: Zur Weihnachtszeit oft Sonderangebote!)
Mit einer ähnlichen Traubenmischung wie der Wein zuvor präsentiert sich hier aber ein ganz anderer Charakter. Bedingt durch eine lange offene Maischestandzeit ist der Wein dunkel, fast animalisch; deutliche, aber reife Tannine mit balsamischen Noten, fast Weihrauch! Im Geschmack dann mundfüllend, mit guter Länge, deutliche Töne von zartbitter-Schokolade und Waldbeeren. Wer, wie der Chronist, ein Faible für Bordeaux-Weine hat, wird diesen Chianti als Alternative aus Italien sehr mögen!

 

Le Bocce

2014 Le Bocce Chianti Classico, Weingut Farina in Panzano

Wieder anders zeigt sich diese klassische Cuvée (siehe oben) aus dem Weinhandel zu 10,90 € (auch etwas über dem Limit!)
In der Nase intensive Noten von reifen Schwarzkirschen und Pflaume. Im Geschmack leicht süßlich (bei 1,5gr RZ) mit reifer Säure und animierendem Trinkfluss; leichte grüne Tannine und etwas Pfefferl; etwas Lakritz, Marzipan und Schokoladennoten. Insgesamt samtig, rund und viel Stoff.

Fazit: Schöne, sehr unterschiedliche Weine, nicht nur für jeden Tag, waren wieder in unserem Preissegment zu entdecken und zu finden. An den Preis- Qualitätsrelationen gab es nichts auszusetzen!

Wolfgang Acht

Die Loire

Verkostung von Loireweinen (Jahrgang 2015) aus der „Weinedition“ der Wochenzeitung „DIE ZEIT“:

Zahlreiche malerische Flüsse prägen das Landschaftsbild Europas. Viel ist über sie geschrieben und gesungen worden. Ich hoffe sehr, der Leser verzeiht, dass hier zuvorderst die Donau und der Rhein genannt werden.
Nimmt die Loire im Reigen der Großen ein Schattendasein ein? Sicherlich nicht, denn allenthalben denkt man an die eindrucksvollen Schlösser, an die Ereignisse in der französischen Geschichte, in der die Stadt Blois vorübergehend französischer Königs-Sitz war und an den Wein, der als Accessoire kulturellen Lebens die französische Lebensart gekennzeichnet hat.
Die Loire ist ein wilder Fluss  –  ganz anders als Rhein, Donau und Rhone. Er zeichnet einen lang gezogenen, malerischen Akzent in das Bild ‚Frankreich‘, und zahlreiche Adlige haben dort ihre prunkvollen Schlösser errichtet, weil sie sich der Schönheit der Region nicht verschließen konnten.

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Der Flusslauf ist wohltuend umreguliert; die Loire ist fast nicht schiffbar. Sie kann als „letzter wilder Fluss Europas“ bezeichnet werden und hat in seiner heutigen Form schon Jahrhunderte überdauert.  Der große Reiz dieses Flusses ist seine Ursprünglichkeit, die auch von der Anwesenheit des französischen Adels nicht zerstört worden ist. Die Loire wird von Franzosen oft als der „französischste Fluss Frankreichs bezeichnet“. Die Kultur, die Menschen und die Landschaft im Loire-Tal repräsentieren das, was sich der Ausländer oft unter Frankreich und seinem „Savoir vivre“  vorstellt.
Selbstverständlich gehörte deswegen von jeher der Weinanbau zu den wichtigen Errungenschaften der Gegend, und das gilt bis heute. Die Loire-Weine bilden ein ganzes Universum von einfachen bis hochwertigen Tropfen. Auf den 1000 km des Flußweges säumen die Weinreben nahezu 900 km die Ufer, und man kreiert hieraus Weine in mannigfaltigen Sorten: weißen, roten, stillen, schäumenden, süßen und knochentrockenen. Ihre Namen klingen in den Ohren: Sancerre, Poilly-Fumeé, Chinon und Muscadet. Darüber hinaus wundert sich mancher deutsche Besucher über Überraschungen, von denen er bisher noch nichts gehört hat. Immerhin ist die Region Loire das drittgrößte Weinbaugebiet Frankreichs nach der Rhone und Bordeaux. Die Winzer dürfen stolz sein auf 69 Appellationen; das bedeutet auf ebenso viele unabhängige Anbaugebiete mit ihren Gütezeichen. Auf 70.000 Hektar wird eine Vielfalt an Weinqualitäten kreiert, wie sie sonst nirgendwo im Land zu finden ist.

Petit Bourgeois, Domaine Henri Bourgeois, Chavignol

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Ein reinsortiger Sauvignon Blanc, zunächst Gärung im Stahltank, anschl. 3 Monate auf der Feinhefe

Analysewerte: Säure 4,3 g; Restzucker 1,2 g; Alkohol 12,4 %

Rebsortentypische Stachelbeeraromen, weiße Blüten, fruchtig und belebend.

Sicher ein guter Begleiter zu Fischgerichten aller Art und Meersfrüchten.

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Cheverny blanc, Domaine du Salvard

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85% Sauvignon blanc, 15 % Chardonnay

Analysewerte: Säure 4,1 g; Restzucker 1,2 g; Alkohol 12,5 %

Sehr facettenreicher Wein, mit wiederum (s.o.) sauvignontypisch grasige Anklänge und Stachelbeeraromen, aber auch Nuancen von hellen Blüten und im beeindruckend langen Abgang Kamille.

Toller Wein, eine interessante Entdeckung !

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Saumur, Chateau de Montgueret, Nueil-sur-Layon

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Cuvee aus Chenin blanc und Chardonnay

Analysewerte: Säure 4,7 g, Restzucker 2,2 g, Alkohol 13 %

Die Säure der Rebsorte Chenin verleiht dem Wein nachhaltige Rasse, Aromen von hellen Blüten, sehr mineralisch bei nicht störender metallischer Grundierung. Belebender Genuß !

 

Für alle drei Weine gilt: Bereiten bereits jetzt große Trinkfreude, können noch bis zu 2 Jahren gelagert werden.

Das Trio eignet sich vorzüglich als Essensbegleiter, macht aber auch „solo“ Spaß.

Erhard Bleit

Trockene Mosel Rieslinge, Jahrgang 2015

BCC-Weinprobe im September 2016

Angesichts des tollen Septemberwetters erwies sich die Entscheidung, in diesem Monat noch einmal eine Weißwein Probe durchzuführen, als goldrichtig. Ausgewählt war das Thema: ‚Mosel Rieslinge trocken 2015‘, wie immer bei den BCC-Proben in der Preislage bis 10.- €. Durch den Termin im September hatten die Weine schon fast ein halbes Jahr Zeit, in der Flasche zu reifen. Probiert wurden:

 

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2015 Görgen Beilstein Silberberg Riesling Spätlese von alten Reben trocken

Dieser Riesling vom Weingut Otto Görgen zum Preis von 8,20€ belegte in der Best of Riesling Verkostung 2016 des Meininger Verlags in seiner Kategorie den 8. Platz. Ein Riesling mit exotischen Noten, viel Ananas, Schmelz, großer Länge bei moseltypischer Stahligkeit. Er war ein wunderbarer Begleiter von kräftigem Bergkäse! 12%vol.

 

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2015 Magarethenhof Ayler Kupp Riesling Hochgewächs rocken

Ein Saarriesling vom Weingut Weber as its best! Platz 2 in der oben erwähnten Best of Riesling Ranking! Ein Wein mi kräftiger Farbe und rauchiger Nase; schöne Aprikosentöne, superbe Länge. RZ: 6.6; Säure und RZ sind schon gut eingebunden; ein Klasse-Wein, der einfach Spaß macht!

 

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2015 Fritz Haag, Gutsriesling trocken

In der Nase eher unangenehme kräutrige Töne; Sponti? Am Gaumen mit deutlichem, etwas pappigen Restzucker. Viel zu prall und wuchtig, um als Sommerwein zu gelten, wie es das Weingut anpreist. In der Preis-Qualitätsrelation (8,99€ im LEH) deutlich zu teuer!

 

moselweinprobejohpetmertes-2

2015 Altenberg trocken, Jakob Peter Mertens, Kanzem

Erneut taucht in der Probe ein Saar-Wein auf, der bestätigt, dass 2015 offenbar ein gutes Jahr an der Saar war. Typischer, klassischer Saar-Riesling mit stahliger Art und einer sehr guten Balance von Säure und Restzucker. Ein frische leckerer Wein, der tollen Trinkgenuss bietet!

 

moselweinprobebernard-keren-2  

2014 Graacher Dompropst Spätlese trocken; Weingut Bernard Kieren, Graach

Dieser Wein lief auf Grund des Jahrgangs eigentlich außer Konkurrenz, wurde aber natürlich trotzdem verkostet. Mit den Analysewerten (10,5%vol, 8,1 S, 7,2 RZ) aber auch in der Sensorik ein leichter Sommerwein; klassische Moselart mit schiefriger Nase, viel Aprikose und gut eingebundenem Restzucker.

Ebenfalls außer Konkurrenz wurde der Franken-Riesling Einfach Keuper von Markus Meier zwischendurch serviert. Er konnte super mit den Mosel-Saar Weinen mithalten und bestätigte das Urteil, das wir schon veröffentlicht haben.

(Wolfgang Acht)

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