Kategorie: Archiv Probiert

Weine aus östlichen Regionen

 

 

Weine aus dem Osten

BCC  Probe April 2018

 

Für die BCC Probe im April hatten wir uns ein mehr als herausforderndes Thema gewählt: Die mitgebrachten Weine nach unseren Kriterien (Kaufpreis max. 10.- €) sollten aus einer beliebigen Region östlich von Deutschland und Österreich stammen. Unter anderem war die Idee, Weinen aus Georgien noch einmal eine Chance zu geben, die uns bei der ProWein 2017 in Düsseldorf über die Maßen enttäuscht hatten.

Das gewählte Thema erwies sich dann als überaus ambitioniert, da allein die Beschaffung eines vorzustellenden Weines alle Mitglieder vor logistische Probleme stellte. So war z.B. in Köln kein Weinfachgeschäft in der Lage, einen derartigen Wein zu präsentieren. So kamen dann letztendlich sehr unterschiedliche Herkunftsgebiete zustande.

 

Beim ersten Wein hatte ein Weinfreund das Thema ‚Osten‘ sehr weit ausgelegt und präsentierte uns einen Wein aus Griechenland:

 

2014 Xerolithia   12,5 %     8,- €

Dieser Weißwein stammt aus der Stadt Peza auf der Insel Kreta und ist aus der Rebsorte Vilana gekeltert. Die Weinberge von Peza, die sich in Berglehnen befinden, werden heute noch durch die traditionellen “Xerolithies” (=trockene Steinwände) getrennt. Daher auch der Name. Die”Xerolithies“ wurden mit ”Lithous“ (=Steine) gebaut, die “xero” (=trocken, ohne Wasser) aufeinander gesetzt wurden, um die kargen Hängen vor Erosion zu schützen.

Charakter: Durch Sponranvergärung wirkt er leicht oxidativ, dennoch frisch und mit guter Säure. Die Farbe ist leuchtend und stroh-gelb. In der Nase dominieren intensive Aromen von Zitrusfrüchten (Zitrus und Limette) die im Hintergrund von exotischen Früchten (Ananas, Mango) und Marzipan abgerundet werden.

 

 

 

 

Beim zweiten Wein kam die lebhafte Erinnerung an zahlreiche Besuche in jugoslawischen Restaurants der 70er Jahre:

 

2014 Plavac Hvar   12%   6,- € (LEH)

 

Dieser typische Grillwein stammt von der Insel Hvar vor der Küste Kroatiens aus der Weinkellerei Svirce, abgefüllt von Badel 1862. Gekeltert aus der einheimischen Plavac mali Traube hat er eine kräftige, rubinrote Farbe.

 

Im Geschmack zeigt der angestellte Vranac rote Beeren, getrocknete Pflaumen und ein wenig Gewürze. Bei angenehmer Säure ist er leider etwas unterlegt von einem Bitterton, der an den Zähnen ein pelziges Gefühl entstehen läßt. Hier dürften etwas zu viel Rappen mit vergoren worden sein.

 

 

 

 

Der dritte Wein, den Walter mühsam über den Versandhandel erworben hatte, führte dann zur Urprungsidee der Verkostung:

 

2013 Kvareli  13,5 %   8.- € (Versandhandel)

 

Im Ergebnis der Blinddegustationen zum AWC Wien 2015 wurde der Kvareli 2013 ausgezeichnet mit dem SILBER.

Der Kvareli stammt aus der gleichnamigen Lage und dem Ort mit gleichem Namen im Osten von Georgien, nordöstlich der Hauptstadt Tiflis. Die Rebsorte heißt Saperavi und der Wein wurde 24 Monate im Barrique (und nicht in der Amphore!!) ausgebaut.

Im Geschmack zeigt sich der Wein mit viel Würze, rote Beeren, Rosinen und Schokolade. Das Holz ist gut eingebunden und liefert eine zarte Vanille. Er hat sehr gute Länge, Druck und Wucht; passt wunderbar zu kräftigem Käse.

 

 

 

Der vierte Wein stammte aus Montenegro:

 

2012 Vranac ‚Pro Corde‘     14%     8.50 € (LEH)

 

Dieser Wein stammt aus der Region Skadar See und kommt von der renommierten Kellerei Plantace, die 2012 bei AWC Wien als bester Weinproduzent in Montenegro ausgezeichnet wurde.

Die Rotweinsorte Vranac, aus der hergestellt wurde, ist eine der sehr alteingesessenen Sorten des Balkans und steht für hochwertige Rotweine. Der Name bedeutet so viel wie ’die strenge Schwere‘, ein Verweis auf den ausgeprägten Tanningehalt der Sorte. Angebaut seit dem Mittelalter mit enger Verwandtschaft zum Zinfandel findet man ihn heute fast auf dem gesamten Balkan.

Dieses Exemplar ist von kräftige Farbe und wuchtiger Nase. Zu 30% im Holz und zu 70% im Stahl ausgebaut ist er angenehm strukturiert, zeigt im Geschmack dunkle Früchte und Schokoladentöne; er ist rund mit weichen Tanninen. Er passt gut zu rotem Fleisch, Wild und reifem Käse.

 

 

Der letzte Wein in der Runde kam aus Ungarn:

 

2012 Villányi Kekfrankos   11,5%     10,00 €

 

Seit den 90er Jahren hat sich der Berliner Anwalt Horst Hummel in die Weine Ungarns verliebt, die er für deutlich unterbewertet erachtet. Im Laufe dieser Jahre entstand dann sein eigenes Weingut in Villányi mit zunächst 7 Hektar. Hier baut er spannende Rotweine aus verschiedenen Sorten an, durchaus auf europäischem Niveau.

Der hier verkostete Wein, durch die Beifügung ‚Nagytótfalu‘ als Ortswein gekennzeichnet, entstand aus der Rebsorte ‚Kékfrankos‘; das ist der ungarische Name für ‚Blaufränkisch‘ oder ‚Lemberger‘. Trotz der niedrigen Alkoholgradation hat der Wein nur 1g/RZ. Er verfügt über eine reife Frucht, ist frisch mit feiner Säure. Im Geschmack steht die kräftige Kirsch- und Sauerkirscharomatik im Vordergrund; im Hintergrund schmeckt man leichte Kamille. Offensichtlich braucht der Wein eine gewisse Reifezeit, scheint jetzt mir seiner schönen Mineralik auf dem Höhepunkt. Das gut eingebundene Tannin lässt auf gute Alterung schließen.

Verkostung von Frankenwein

 

 

Reben, die neugierig machen…

Weine, die begeistern…

Ein Weingut, welches größte Beachtung verdient…

 

In der Karwoche haben wir in Randersacker die Weine der Frühjahrsliste 2017 des Weinguts „Trockene Schmitts“ verkostet. Unsere Einschätzung der Weine wollen wir kurz mitteilen. Vielleicht kann sie bei der Auswahl eurer Weine von Nutzen sein.

 

Zunächst zwei allgemeine Vorbemerkungen:

Die Liste 2017 ist etwas anders aufgebaut als bisher üblich: Es beginnt mit der Serie ‚Ewig Leben‘, der sich die ‚Klassiker-‚ und ‚Konsequent.‘ Reihe anschließt. Die Literflaschen folgen dann zum Ende.

Der gesamte Jahrgang 2016er stellt gegenüber dem 2015er noch einmal eine Steigerung dar. Er ist vielleicht nach 2012 der schönste Jahrgang der letzten Zeit!

Literweine / Ewig Leben Reihe / Klassiker / Große Weine

 Die Literweine sind wie immer frisch und süffig und überzeugen nicht nur durch geringen Alkoholgehalt (11 %) – Ausnahme Kerner 12,5 %. Sie sind ideale Sommerweine, stimmig und erfrischend, dass sie überall zur Freude gereichen.

 

 

Müller-Thurgau

Der Liter Müller-Thurgau Ewig Leben 2016 (Nr.6) – wie schon in vorigen Jahren beschrieben – saftig, unkompliziert, leicht und schön und mit einer für einen Literwein guten Länge im Abgang. Er hat eine ganz tolle Note, ist gradlinig und von köstlichem Duft.

Der Müller-Thurgau Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr. 10) ein fülliger M-Th mit feiner Säure und feinem Duft. Hier lässt der Berg mit seinen über 40 Jahre alten Rebstöcken grüßen. Er zeigt gelbe Fruchtnoten und große Würze. (Dieser Müller-Thurgau wurde in 2014 und 2015 vom Gault-Millau als der beste trockene Müller-Thurgau Deutschlands ausgezeichnet!! Wir gehen davon aus, dass auch der 2016er diesem Anspruch genügt!)

Der Rivaner Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.1) aus der Ewig Leben Reihe ist schön mit einer leichten Bonbon Note, aber z.Zt. im Abgang noch nicht ganz ausgewogen.

 

Bacchus

Auch die Freunde eines leichten fein fruchtig duftenden (Rosenduft) Liter Bacchus Ewig Leben 2016 (Nr.7) werden nicht enttäuscht sein. Er hat ferner ein feines Holunderaroma und ist erfrischend.

Der Bacchus Kabinett Ewig Leben 2016 (Nr.2) ist deutlich aromastärker, hat ein kräftiges Bukett, ohne allzu aufdringlich zu sein. Er ist schlank, hat aber dennoch Kraft und Ausdruck.

 

Silvaner

Anlässlich seiner ersten Silvaner-Challenge schrieb das Weinmagazin ENOS: „Der Silvaner ist ein echtes Aschenputtel in der deutschen Weinlandschaft. Vielfach unterschätzt, ist die Sorte durchaus in der Lage, sowohl als trockener Qualitätswein wie auch als edelsüße Trockenbeerenauslese zu punkten, ja sogar echte Traumweine hervorzubringen. Dabei braucht er immer Reife, um sein Potential voll zum Ausdruck zu bringen…Wenn dann die gesamte Würze, gepaart mit Finesse und Frische, zum Tragen kommt, dann gehört der Silvaner zu den interessantesten Sorten Deutschlands. Auch wenn das kaum jemand weiß.“

Freunde der Weine der Trockenen Schmitts wissen es schon lange. 6 Silvaner verzeichnet die Frühjahrsliste – Silvaner von unterschiedlichen Randesackerer Weinbergen.

Der Liter Silvaner Ewig Leben 2016 (Nr. 9) ist ein schöner typischer Silvaner, leicht und vom Duft schon voll da. Seine Entwicklung weist in Richtung eines herrlichen Sommergenusses.

Der Silvaner Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.11) ist ein grandioser sortentypischer Silvaner (84° Oechsle). Er zeichnet sich aus durch eine silvanertypische Erdigkeit, die mit einer wunderbaren Leichtigkeit verbunden ist. Ein fränkischer Silvaner ‚as its best‘!!.

Vom Blauen Silvaner Kabinett 2016 Vom alten Berg (Nr.12) zeigt eine frische Säure, hat schöne Mineralik und Töne von grünem Apfel. Er zeigt jetzt schon sein Potential, braucht aber noch etwas an Entwicklung.

Der Silvaner Kabinett 2016 Pfülben (Nr.14) ist mit 90° Oechsle ist wunderschöner Kabinettwein; jetzt schon sehr konzentriert und mineralisch dicht ist dieser typische Pfülben ein Wein von Charakter, aber deutlich früher entwickelt als etwa in 2015. Dieser Wein schmeckt unverwechselbar nach Pfülben.

Auch der Silvaner Sonnenstuhl Spätlese 2016 (Nr.17) braucht noch ein wenig Zeit (bis Juni).Er hat gelbfruchtige Stilistik (Banane, Melone, Birne), schmeichelnd und lang im Abgang.

Der Sylvaner Sonnenstuhl alte Reben Spätlese 2015 (Nr.19) ist zu einem traumhaften Wein gereift; 10 Monate sur lie, imStückfass ausgebaut, ein wunderbarer Silvaner-Genuss. Er braucht 1 1/2 Jahre zur vollen Entwicklung, hat jetzt sein volles Potential erreicht.

 

Traminer

Den Randersackerer Lämmerberg Silvaner & Traminer 2015 (Nr.18a) zeichnet eine angenehme Aromatik aus, bei der der Traminer anklangssmäßig in die Silvaneraromen hineinspielt – wie ein zarter Traminer-Kuss“.

Der Randersackerer Lämmerberg Gewürztraminer Spätlee 2016 (Nr.18) ist wie immer schön. Er überzeugt durch einen feinen zarten, nicht aufdringlichen Traminer Rosenduft.

 

Burgunder

Neu im Sortiment ist als Jungfernwein der Graue Burgunder; 2014 gepflanzt, ist er zum ersten Mal im Ertrag. Er ist ein schlanker Vertreter der Grauburgunderlinie; vielleicht ein feiner Spargelbegleiter.

Hervorzuheben ist auch der Weiße Burgunder Marsberg Kabinett 2016 (Nr.16). Er entfaltet sich schon jetzt voll: feiner Duft, große Länge. Der lange Hefekontakt beim Ausbau hat sich voll ausgezahlt. Er ist schon früh trinkbar mit gut eingebundener Säure, großer Frucht und Saftigkeit. Insgesamt ein feiner Wein.

Der Weiße Burgunder Pfülben Spätlese 2015 (Nr. 22) hat einen leichten feingereiften Cognacton (Barriqueausbau). Ein schöner Begleiter zur Zigarre und zu kräftigem Käse.

 

Kerner / Riesling / Rieslaner

Der Liter Kerner Ewig Leben 2016 (Nr.8) wirkt wie ein „schlanker Riesling“. Er ist kräftig, etwas für Kernerfreunde. Er ist Solist, aber ein schöner Essensbegleiter; passt gut zu einem Schinkenbrot.

Der Riesling Marsberg Kabinett 2015 (Nr. 15) hat einen guten Rieslingduft. Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Der Riesling Sonnenstuhl Kab 2015 (Nr. 3) überzeugt durch große Dichte und Extrakt (Alte Reben). Kurzum, er ist ein intensiver Riesling.

Der Riesling Pfülben Spätlese 2015 (Nr. 20) ist ein ganz hervorragendes großes Gewächs, filigrane, toll eingebundene Säure, große Mineralität (Aprikosenton); er hat eine ausgewogene Art, ist im Abgang harmonisch und von großer Typizität.

Dies gilt auch für die Rieslaner Sonnenstuhl Spätlese 2015 (Nr.21). Sie ist noch fülliger und schmelziger als der Riesling (alte Reben). Sie ist das Paradepferd unter den Weißweinen, mit Opulenz und Kraft!

 

Scheurebe

 Die Scheurebe Marsberg Kabinett 2016 (Nr.13), überzeugt in diesem Jahr besonders. Sie ist unglaublich sortentypisch und dabei nicht aufdringlich. Wir haben schon lange nicht mehr eine so tolle Scheurebe genießen dürfen.

 

Sauvignon Blanc

Der Sauvignon Blanc Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr.5) ist ein feinfruchtiger durchaus wuchtiger Wein, vollausgereift, mit einem Aroma von reifer Melone und gelbroter Paprika (gelbe Stilistik!), im Hintergrund schöne grüne Noten, feiner Trinkgenuss bei 92 Öchsle!

 

Rosé & Rotweine

 Der Rosé und die drei in der Liste aufgeführten Rotweine überzeugen.

Der Rosé Ewig Leben Kabinett 2016 (Nr. 24), eine Cuvee aus 50% Portugieser und 50 % Domina ist ein zarter typischer Schmittscher Rosé: beerenfruchtig, weich (nur S 5,0 g/l) und süffig. An diesem Wein hat man den ganzen Sommer Freude. Ein ähnlich toller Rosé wie in 2012!

Die Domina Ewig Leben Kabinett 2015 (Nr. 24), samtig und weich mit einer deutlichen Kirschnote und feinen Tanninen.

Der Frühburgunder Sonnenstuhl Spätlese 2013 (Nr. 26), dunkel, ausgereift und würzig ist großer Wein mit einem tollen Preis- Leistungsverhältnis; z.Zt. etwas ausdrucksstärker als die durchaus ansprechende Spätburgunder Sonnenstuhl Spätlese 2014 (Nr.27).

 

 

Wir sind begeistert von der Vielfalt der Weine und freuen uns, für diese angenehmen und spannenden Tropfen neue Freunde finden zu können.

Wolfgang Acht und Helmut Jahn

Die Loire

Verkostung von Loireweinen (Jahrgang 2015) aus der „Weinedition“ der Wochenzeitung „DIE ZEIT“:

Zahlreiche malerische Flüsse prägen das Landschaftsbild Europas. Viel ist über sie geschrieben und gesungen worden. Ich hoffe sehr, der Leser verzeiht, dass hier zuvorderst die Donau und der Rhein genannt werden.
Nimmt die Loire im Reigen der Großen ein Schattendasein ein? Sicherlich nicht, denn allenthalben denkt man an die eindrucksvollen Schlösser, an die Ereignisse in der französischen Geschichte, in der die Stadt Blois vorübergehend französischer Königs-Sitz war und an den Wein, der als Accessoire kulturellen Lebens die französische Lebensart gekennzeichnet hat.
Die Loire ist ein wilder Fluss  –  ganz anders als Rhein, Donau und Rhone. Er zeichnet einen lang gezogenen, malerischen Akzent in das Bild ‚Frankreich‘, und zahlreiche Adlige haben dort ihre prunkvollen Schlösser errichtet, weil sie sich der Schönheit der Region nicht verschließen konnten.

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Der Flusslauf ist wohltuend umreguliert; die Loire ist fast nicht schiffbar. Sie kann als „letzter wilder Fluss Europas“ bezeichnet werden und hat in seiner heutigen Form schon Jahrhunderte überdauert.  Der große Reiz dieses Flusses ist seine Ursprünglichkeit, die auch von der Anwesenheit des französischen Adels nicht zerstört worden ist. Die Loire wird von Franzosen oft als der „französischste Fluss Frankreichs bezeichnet“. Die Kultur, die Menschen und die Landschaft im Loire-Tal repräsentieren das, was sich der Ausländer oft unter Frankreich und seinem „Savoir vivre“  vorstellt.
Selbstverständlich gehörte deswegen von jeher der Weinanbau zu den wichtigen Errungenschaften der Gegend, und das gilt bis heute. Die Loire-Weine bilden ein ganzes Universum von einfachen bis hochwertigen Tropfen. Auf den 1000 km des Flußweges säumen die Weinreben nahezu 900 km die Ufer, und man kreiert hieraus Weine in mannigfaltigen Sorten: weißen, roten, stillen, schäumenden, süßen und knochentrockenen. Ihre Namen klingen in den Ohren: Sancerre, Poilly-Fumeé, Chinon und Muscadet. Darüber hinaus wundert sich mancher deutsche Besucher über Überraschungen, von denen er bisher noch nichts gehört hat. Immerhin ist die Region Loire das drittgrößte Weinbaugebiet Frankreichs nach der Rhone und Bordeaux. Die Winzer dürfen stolz sein auf 69 Appellationen; das bedeutet auf ebenso viele unabhängige Anbaugebiete mit ihren Gütezeichen. Auf 70.000 Hektar wird eine Vielfalt an Weinqualitäten kreiert, wie sie sonst nirgendwo im Land zu finden ist.

Petit Bourgeois, Domaine Henri Bourgeois, Chavignol

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Ein reinsortiger Sauvignon Blanc, zunächst Gärung im Stahltank, anschl. 3 Monate auf der Feinhefe

Analysewerte: Säure 4,3 g; Restzucker 1,2 g; Alkohol 12,4 %

Rebsortentypische Stachelbeeraromen, weiße Blüten, fruchtig und belebend.

Sicher ein guter Begleiter zu Fischgerichten aller Art und Meersfrüchten.

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Cheverny blanc, Domaine du Salvard

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85% Sauvignon blanc, 15 % Chardonnay

Analysewerte: Säure 4,1 g; Restzucker 1,2 g; Alkohol 12,5 %

Sehr facettenreicher Wein, mit wiederum (s.o.) sauvignontypisch grasige Anklänge und Stachelbeeraromen, aber auch Nuancen von hellen Blüten und im beeindruckend langen Abgang Kamille.

Toller Wein, eine interessante Entdeckung !

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Saumur, Chateau de Montgueret, Nueil-sur-Layon

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Cuvee aus Chenin blanc und Chardonnay

Analysewerte: Säure 4,7 g, Restzucker 2,2 g, Alkohol 13 %

Die Säure der Rebsorte Chenin verleiht dem Wein nachhaltige Rasse, Aromen von hellen Blüten, sehr mineralisch bei nicht störender metallischer Grundierung. Belebender Genuß !

 

Für alle drei Weine gilt: Bereiten bereits jetzt große Trinkfreude, können noch bis zu 2 Jahren gelagert werden.

Das Trio eignet sich vorzüglich als Essensbegleiter, macht aber auch „solo“ Spaß.

Erhard Bleit

Trockene Mosel Rieslinge, Jahrgang 2015

BCC-Weinprobe im September 2016

Angesichts des tollen Septemberwetters erwies sich die Entscheidung, in diesem Monat noch einmal eine Weißwein Probe durchzuführen, als goldrichtig. Ausgewählt war das Thema: ‚Mosel Rieslinge trocken 2015‘, wie immer bei den BCC-Proben in der Preislage bis 10.- €. Durch den Termin im September hatten die Weine schon fast ein halbes Jahr Zeit, in der Flasche zu reifen. Probiert wurden:

 

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2015 Görgen Beilstein Silberberg Riesling Spätlese von alten Reben trocken

Dieser Riesling vom Weingut Otto Görgen zum Preis von 8,20€ belegte in der Best of Riesling Verkostung 2016 des Meininger Verlags in seiner Kategorie den 8. Platz. Ein Riesling mit exotischen Noten, viel Ananas, Schmelz, großer Länge bei moseltypischer Stahligkeit. Er war ein wunderbarer Begleiter von kräftigem Bergkäse! 12%vol.

 

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2015 Magarethenhof Ayler Kupp Riesling Hochgewächs rocken

Ein Saarriesling vom Weingut Weber as its best! Platz 2 in der oben erwähnten Best of Riesling Ranking! Ein Wein mi kräftiger Farbe und rauchiger Nase; schöne Aprikosentöne, superbe Länge. RZ: 6.6; Säure und RZ sind schon gut eingebunden; ein Klasse-Wein, der einfach Spaß macht!

 

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2015 Fritz Haag, Gutsriesling trocken

In der Nase eher unangenehme kräutrige Töne; Sponti? Am Gaumen mit deutlichem, etwas pappigen Restzucker. Viel zu prall und wuchtig, um als Sommerwein zu gelten, wie es das Weingut anpreist. In der Preis-Qualitätsrelation (8,99€ im LEH) deutlich zu teuer!

 

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2015 Altenberg trocken, Jakob Peter Mertens, Kanzem

Erneut taucht in der Probe ein Saar-Wein auf, der bestätigt, dass 2015 offenbar ein gutes Jahr an der Saar war. Typischer, klassischer Saar-Riesling mit stahliger Art und einer sehr guten Balance von Säure und Restzucker. Ein frische leckerer Wein, der tollen Trinkgenuss bietet!

 

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2014 Graacher Dompropst Spätlese trocken; Weingut Bernard Kieren, Graach

Dieser Wein lief auf Grund des Jahrgangs eigentlich außer Konkurrenz, wurde aber natürlich trotzdem verkostet. Mit den Analysewerten (10,5%vol, 8,1 S, 7,2 RZ) aber auch in der Sensorik ein leichter Sommerwein; klassische Moselart mit schiefriger Nase, viel Aprikose und gut eingebundenem Restzucker.

Ebenfalls außer Konkurrenz wurde der Franken-Riesling Einfach Keuper von Markus Meier zwischendurch serviert. Er konnte super mit den Mosel-Saar Weinen mithalten und bestätigte das Urteil, das wir schon veröffentlicht haben.

(Wolfgang Acht)

Probiert ‚Primitivo‘

„Primitivo“ Wein aus Italien

Ob Winzer, Weinhändler oder Gastgeber: Alle kennen die alten Scherze, die gern mit dem Namen dieses ausgesprochen beliebten Rotweins gemacht werden: Der Primitivo – manche nennen ihn auch Primativo – ist gar nicht so primitiv, wie es der Name vermuten lassen könnte! Dieser italienische Rotwein, ursprünglich Verschnittwein aus Apulien (südlich von Bari), galt zwar zunächst als zu süß und zu simpel, aber inzwischen hat er einen tadellosen Ruf. Der Wein-Experte Frank Schoonmaker lobt ihn sogar als „beachtlich“. Normalerweise gelangt der Primitivo-Wein nach der Lese sehr rasch in den Handel, denn die heißen Sommer in seinen Ursprungsregionen zwingen die Winzer zu einer frühen Lese: So werden Teile von diesen Trauben mit älterem Wein verschnitten und zuweilen bereits Mitte September desselben Jahres verkauft sowie auch getrunken. In Apulien unterstützen nicht zuletzt die geografischen Bedingungen den Reifeprozess, wie z.B. der venticello fresco, das frische Windchen im Land zwischen zwei Meeren.
Die Rebsorte ‘Primitivo’ ist mit ‘Zinfandel’ identisch, daher vermarkten italienische Primitivo-Winzer ihren Wein teilweise unter dem bekannteren Namen Zinfandel. Die bekannteste italienische Anbauzone für Primitivo ist Manduria in der Region Apulien, wo es die DOC-Zone Primitivo di Manduria gibt, allerdings werden auch einige vorzügliche Exemplare unter der IGT Primitivo di Puglia verkauft.
‘Zinfandel’ wird überwiegend in Kalifornien angebaut. Aus ihr können unterschiedliche Weine hergestellt werden: Rotwein, Rosé (Blush Zinfandel, zumeist mit Restsüße) oder ein heller Blanc de Noirs (White Zinfandel, wenn ohne Schalen vergoren). Zinfandel gehörte schon 1919 zu den fünf wichtigsten Rebsorten der USA und war sowohl als Tafeltraube als auch während der Prohibition als eigenproduzierter Hauswein sehr beliebt. Die Rebe hat so hohe Bedeutung erlangt und ist so begehrt, dass sie als Edelrebe bezeichnet wird.
Dennoch behauptet sich die italienische Bezeichnung ‚Primitivo‘ im Heimatland immer mehr, so dass die Trennung ‚Primitivo‘ contra ‚Zinfandel‘ gerechtfertigt ist.

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